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11.Sonntag nach Trinitatis    27.08.2006

Predigt:  Pastor Alfred Sinn

1.Petrus 5, 8 – 11

 

  8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher

   wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.

  9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wißt, daß ebendieselben Leiden

   über eure Brüder in der Welt gehen.

10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

11 Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

der Apostel Petrus ruft zu Nüchternheit und Wachsamkeit auf. Damit erweist er sich als rechter Apostel seines Herrn. Auch Jesus hat immer wieder zu Wachsamkeit aufgerufen. Gerade in seinen Reden über die Endzeit hat er auf diese Dringlichkeit hingewiesen. Er hat Zeichen benannt, die seiner Wiederkunft vorausgehen: Verführung, falsche Propheten, Bedrängnis der Gläubigen. Auch Petrus bestätigt dies in seinem Brief: In den letzten Tagen werden Spötter kommen, sie werden sich über euch lustig machen. Ebenso hat Paulus ähnlich geschrieben: „Es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren“ (2.Tim.4,3f).

 

Man hat mitunter den Eindruck, daß wir in dieser angekündigten Zeit leben. Man macht sich über Glaube und Kirche lustig, die biblische Lehre wird hinterfragt, vieles, was in der Bibel steht, habe heute keine Gültigkeit mehr. Neue Lehren werden propagiert. Es ist wie in der Urzeit der Menschheit: Lebe dein Leben unabhängig von Gott!  Das war es, worüber Eva und Adam gestolpert sind. Die Schlange hinterfragte die Vorgaben Gottes. Ihr braucht euch nicht dran zu halten. Nehmt euer Leben selber in die Hand. Dann werdet ihr mehr davon haben. Das will der Versucher auch heute erreichen: Wozu Glaube? Weshalb beten? Warum Kirche? Wieso Bibel?  Löst euch von alldem, seid so frei! Ihr seid doch autonome Menschen!

 

In der letzten Zeit der Weltgeschichte kommt der Teufel nicht nur als Schlange daher. Er identifiziert sich auch gerne mit dem Wolf, mit dem Löwen. Der Wolf zerstreut (Joh.10,12), der Löwe brüllt und will verschlingen.  Welchen Schutz haben wir gegen solche Angriffe? Wir haben sehr wohl einen Schutz, doch den können wir uns nicht selber geben. Wir müssen auf den blicken, der stärker ist als der Wolf, der den Löwen bändigt, der der Schlange den Kopf zertreten hat.

 

 

In diesen Tagen war Zirkus Krone in Dithmarschen. Er hat eine sehenswerte Schau geboten. Zur Vorstellung gehörten auch Szenen mit wilden Tieren, den Löwen. Es ist erstaunlich, wie ein Dompteur diese eigentlich stärkeren Kreaturen in Schach halten kann. Freilich werden die Zuschauer durch Gitter geschützt.

So auch im Zoo. Die wilden Tiere werden in Käfigen oder im Gehege gehalten, so können sie für die Besucher nicht gefährlich werden. Mittlerweile gibt es Safariparks, in denen die Tiere ganz und gar frei herumlaufen. Die Besucher dürfen sich auf das Gelände begeben und sich zwischen die Tiere mischen, allerdings befinden sich dann die Besucher in einem Käfig, nämlich im Auto, mit dem sie durch den Park fahren.

Eine Familie hat mal einen Ausflug in solch einen Löwenpark unternommen .  Alle waren gespannt auf das Erlebnis. Die Spannung stieg, je näher sie dem Park kamen.  Mit dem Auto fuhren sie hinein. Mann, Frau und die Kinder schauten gespannt in die „gefährliche Wildnis“. Ein mächtiger Löwe näherte sich dem Auto, bis auf 2 Meter kam er heran. Der Familie wurde es mulmig. Der Vater  erinnerte an die Beschreibung des Parks, in dem es hieß, daß Löwen keine Autos angreifen würden. Doch man war sich nicht sicher, ob der Löwe die Beschreibung  gelesen hatte. Die Mutter und die 9-jährige Tochter gaben ihre Angst zu.  Der 5-jährige Sohn dagegen machte auf große Klappe, er fühlte sich im fahrenden Käfig sicher. Der Vater versuchte mit Sprüchen die Lage zu entspannen. Doch die Gemüter haben sich erst beruhigt nachdem das Auto weiterfahren konnte und der Abstand zum Löwen immer größer  wurde.

 

Dieses Bild eignet sich gut, um einen Vergleich mit der Gemeinde herzustellen. Warum wurde die Familie vor dem Löwen bewahrt? Weil der Vater beruhigende Worte sprach? Weil der Sohn den Löwen anschrie? Weil Mutter und Tochter sich ängstlich verkrochen? Nein, sondern weil sie im Auto waren. Löwen greifen keine Autos an, den einzelnen Menschen sehr wohl.

Der Teufel hat Respekt vor dem, der sich zur Gemeinde hält. Die Gemeinde ist wie das Auto, es ist ein Schutzraum gegen die Angriffe des Bösen. Wenn der Löwe im Safaripark brüllend um das Auto gelaufen wäre, hätte er die Familie noch mehr in Schrecken versetzt.  Doch der Löwe hätte nichts anrichten können, weil das Auto einen Schutz darstellte. Bei solchem Brüllen könnte einer aus Angst versuchen sich außerhalb des Autos in Sicherheit zu bringen. Das Brüllen macht ja Angst, dem will ich entkommen. Doch sobald einer den Schutzraum Auto verläßt, hat der Löwe leichtes Spiel.

 

Manch einer empfindet die Gemeinde als einengend, wie einen Käfig, da möchte er gar nicht hinein. Und mancher, der drinnen ist, will raus. Doch es wird nicht bedacht, daß draußen die Gefahr lauert. Der Teufel schleicht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.  Lieber Christ, wisse, wenn du dich von der Gemeinde löst, wirst du leichter ein Raub des Widersachers.

 

Der Apostel Petrus gibt den Rat: „Dem widersteht fest im Glauben“.  In der Gemeinschaft kann man ihm besser widerstehen, als wenn man allein ist.  Du magst zwar persönlich deinen Glauben haben, doch wird er kräftiger und standhafter sein, wenn du dich zur Gemeinde hältst.

 

Der Böse ist stets bemüht einen Keil zwischen Gott und dich zu treiben. Eine raffinierte Weise ist die, daß dir eingeflüstert wird: halte an deinem Glauben fest, aber dafür brauchst du nicht die Kirche. Und genauso ist es im vielstimmigen Chor in den Dörfern zu hören: „Herr Pastor, ich glaube, aber dafür muß ich doch nicht zum Gottesdienst gehen.“  Damit aber ist es dem Widersacher gelungen, einen Bruch herbeizuführen.

  

Solches Denken und Reden hat mit Hochmut zu tun. Den Hochmütigen aber widersteht Gott. Auch fromme Menschen können hochmütig sein. Beispielhaft hierfür steht der Pharisäer aus Lukas 18. Jesus hat seine Haltung nicht gut geheißen.

 

Dietrich Bonhoeffer hat gesagt:  »Der Christ braucht den Christen, der ihm Gottes Wort sagt, er braucht ihn immer wieder, wenn er ungewiß und verzagt wird. Damit ist das Ziel aller Gemeinschaft der Christen deutlich: Sie begegnen einander als Bringer der Heilsbotschaft. Als solche läßt Gott sie zusammenkommen und schenkt ihnen

Gemeinschaft. Es ist Gnade, nichts als Gnade, daß wir heute noch in der Gemeinschaft christlicher Schwestern und Brüder leben dürfen!«               

 

In der Apostelgeschichte heißt es: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (2,42).   Hier wird eindeutig gesagt, daß Kirche und Versammlung wichtig ist. Laß dich doch nicht abschneiden von diesen Kraftquellen! Wenn du auf Abstand gehst, bleibt dir nur das Gebet. Doch auch die Gemeinschaft und die Lehre sind wichtig.

 

Du kannst nicht zum guten Hirten Ja sagen, ohne daß du auch Ja sagst zu seiner Herde.  Es ist typisch für den Hirten, daß er eine Herde weidet und nicht ein einzelnes Schaf.

Freilich geht er dem Einzelschaf nach, und zwar erst recht dann, wenn es verloren ist, aber eben um es zur Herde zurückzubringen.

Die Herde Jesu ist nicht nur die unsichtbare Gemeinde, über die ganze Welt verteilt, sondern sie ist die sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen, jener Menschen, die in einem Dorf, in einer Stadt, eben in einer Gemeinde leben. Hier wird verbindliches Christsein praktiziert und nicht allein im Geist.

 

Der Gott der Gnade, der uns berufen hat, stärke uns, kräftige uns, er gründe uns fest in seinem Wort und in seiner Gemeinde.

Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.