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O s t e r m o n t a g                                 17.04.2006

mit Konfirmandenprüfung

Predigt: Pastor Alfred Sinn

 

Liebe Gemeinde,

 

so manche Sitte ist im Laufe der Jahrhunderte auch bei Kirche verloren gegangen. Wenn wir die Möglichkeit hätten, uns mit Menschen zu treffen, die vor 300 Jahren hier in der Kirche sich versammelt haben, wir würden staunen. Und jene würden sich auch wundern über unsere Art den Glauben zu leben. Eines aber würde uns gewiß verbinden, nämlich die Überzeugung, daß Jesus von den Toten auferstanden ist.  Auf dieser Basis könnten wir – trotz unterschiedlicher Lebensweise – zueinander finden. 

Nun aber gibt es keine Zeitmaschine, die Alten können nicht zu uns und wir können nicht in die Vergangenheit reisen. Beide aber sind wir auf dem Weg in die Zukunft. Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, die vollendet werden, wenn Christus wiederkommt.

 

Aus der alten Kirche ist der Brauch des Osterlachens bekannt.

Mit dem Lachen wurde die Trauer der Passionszeit vertrieben. Beim Osterlachen wurde gar der Teufel ausgelacht, denn der hatte sich verkalkuliert. Er hat sich regelrecht an Christus verschluckt. Die Auferstehung Christi ist „Ausdruck von Gottes Gelächter über den Tod" (Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel). In diesem Lachen atmet die vom Tode gequälte Menschheit auf. Das Letzte ist nicht der Tod, sondern das Leben, der Letzte ist der auferstandene Herr, der uns zu sich holen wird.   Das ist der Ursprung des Osterlachens.

 

Im Mittelalter trieben es die Prediger manchmal recht bunt mit den Witzen. Die Gottesdienstbesucher krümmten sich vor Lachen und schlugen sich auf die Schenkel. Der Basler Pfarrer und Reformator Johannes Ökolampad (1482-1531) sparte nicht mit Kritik. In einem Brief an seinen Kollegen Wolfgang Capito klagte er über die Oster-Prediger: „Einer schrie immer Kuckuck. Ein anderer legte sich auf Rindermist, tat, als sei er im Begriff, ein Kalb zu gebären. Wieder einer zog einem Laien eine Mönchskutte an, machte ihm dann vor, er sei nun Priester und führte ihn zum Altar. Wieder einer erzählte, mit welchen Mitteln der Apostel Petrus die Wirte um die Zeche betrog.“

So artete das Osterlachen auch schon mal zu einer kabarettistischen Veranstaltung aus.

 

Es gab auch Zeiten, da hat man alles griesgrämig ernst genommen, hat vergessen, daß Gott uns auch die Freude gönnt, die leiblichen Genüsse, die Ausgelassenheit. In meiner Jugendzeit sprach ich mit einem anderen Jugendlichen, der aus der Pfingstgemeinde kam. Er legte Wert darauf, zu betonen, daß in seiner Gemeinde Alkohol tabu ist. Auch den Tanz lehnten sie ab. Das sah ich freilich anders. In meiner Gemeinde wurde gerne gesungen, gefeiert und getanzt.

Im verfilmten Roman »Der Name der Rose«  von Umberto Eco geht es um den Streit, ob der Sohn Gottes auf der Erde gelacht habe. Aufgrund der Überzeugung, daß Jesus nicht gelacht haben könnte, haben nicht nur Menschen ihr Leben verloren, sondern am Ende ist das ganze Kloster abgebrannt.

 

Mit den vielen kabarettistischen Angeboten im Fernsehen heute können wir als Kirche nicht konkurrieren – wollen wir auch nicht – trotzdem will ich nun versuchen, euch zum Lachen zu bringen. Denn Lachen ist ein Zeichen von Lebenslust.

 

Es klingelt an der Haustür. Der Hausherr öffnet. Draußen steht ein Bettler, mit ausgestreckter Hand bittet er mit der Gebärdensprache der Stummen um ein Almosen. Der Hausherr gibt ihm eine Münze und fragt mild: Seid ihr schon lange stumm?   Ich bin als Stummer geboren, antwortet der Bettler.

 

Lachen gehört zum Menschsein, wie auch das Weinen. Und doch ist es eigenartig, daß der Mensch von Geburt an weinen kann, das Lachen aber muß er erlernen. Ein kleines Kind lernt das Lachen durch Zuwendung und Mitteilung.

Die Komik des Lebens wird schon dazu beitragen, daß der Mensch zum Lachen fähig wird.

Freilich kann die Tragik des Lebens auch dazu führen, daß das Lachen verlernt wird.

In Witz und Humor findet das Lachen Nahrung. Während der Witz eine Wirklichkeit umschreibt, stellt sich der Humor dem wirklichen Leben und hilft, dieses Leben nicht zu verbissen zu sehen. Nicht von ungefähr gibt es eine Seligpreisung, die so beginnt: „Selig, die über sich selbst lachen können, denn sie werden immer genug Unterhaltung haben. Selig, die intelligent genug sind, um sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, denn sie werden von ihrer Umgebung geschätzt werden.“

 

Was wir Oster feiern, ist kein Witz; es ist das ernsteste und wichtigste Ereignis in der Weltgeschichte. Und dieses Ereignis hat mit dem persönlichen Leben zu tun. Dies sollten wir ernst nehmen und von daher eine Gelassenheit entwickeln, die dem Herrgott zutraut, daß er an uns vollenden wird, was er an uns begonnen hat. Nicht nur mit Ostern, sondern mit jedem Sonntag danken wir Gott für den Sieg über das, was uns von ihm trennt.

 

Wie sehr Menschen in der Gottesvorstellung leben, selbst dann, wenn eine atheistische Ideologie propagiert wird, zeigt das nächste Beispiel:

 

Gott sei Dank, sagt die Bäuerin, es kommt jetzt Regen.   Aber Genossin, antwortet der Leiter der Kolchose, du weißt doch einen Gott gibt es, Gott sei Dank, nicht.    Sicher, Genosse, aber wenn es nun, was Gott verhüten möge, doch einen gibt?

 

Ja, es gibt einen Gott und er hat sich nicht unbezeugt gelassen. Die Kommunisten im Ostblock haben über den christlichen Glauben gelacht. Und was ist aus ihnen und ihrer Ideologie geworden?! Im Rückblick können wir über jene Zeit lachen (auch wenn es damals für viele bitter ernst und gefährlich war).  Ich spreche aus eigener Erfahrung.

 

Auch wir Christen können lachen. Unser beherztestes Lachen ist das ob des Todes Niederlage. Worüber wir aber  - anders als die Kommunisten im Ostblock und die Atheisten im Westblock  - nicht lachen können, ist die Heiligkeit Gottes. Der Christ macht sich nur über das Vorletzte lustig. Das Letzte, das Heilige bleibt unantastbar. Das Heilige darf nicht ins Lächerliche gezogen werden.

Das Wissen um die letzten Dinge bewahrt mich davor, das Göttliche in den Schmutz zu ziehen. Das Wissen um die letzten Dinge verlangt, daß man mit den vorletzten Dingen verantwortlich umgeht; gleichzeitig befähigt dieses Wissen die schönen Dinge zu genießen.  Wir dagegen leben in einer Zeit, in der viele Menschen auf egoistischen Genuß aus sind. Doch wenn alles nur Spaß machen soll im Leben, vergeht einem allmählich das Lachen.

Ihr, die Konfirmanden, werdet noch erfahren und lernen müssen, daß auf Spaß allein das Leben nicht gegründet werden kann.

 

Gestern habe ich ein Telefongespräch mit einem ehemaligen Studienkollegen geführt. Ich fragte ihn nach seinen Kindern. Mit dem Größten haben sie einige Schwierigkeiten.

 

Sein Schulabschluß (Abitur) steht auf der Kippe. Was für ihn nur zählt, und das seit Jahren, ist party, party und wieder party. Er hat noch nicht begriffen, daß er dabei ist seine Zukunft zu verspielen.

Liebe Konfirmanden, das Alter, in dem ihr jetzt seid, ist ungemein wichtig für euer späteres Leben. Jetzt legt ihr schulisch und beruflich den Grundstock  für die nächsten Jahrzehnte.

 

Was die vorletzten Dinge betrifft, hätten wir gerne ein rundum abgesichertes Leben. Das wollte auch der Kölner Lokalnarr Tünnes.

 

Tünnes begegnet Gott und will eine Bitte an ihn richten. Dabei überlegt er wie er das  hinkriegt, daß Gott ihm die Bitte gar nicht abschlagen kann. Er will es schlau anstellen und stellt Gott eine theologische Frage: Lieber Jott, stimmt et wirklich, daß tausend

Jahre bei dir wie ein Tag sind? Gott nickt. Tünnes fährt fort: Wenn et dir so wenig auf Zeit ankömmt, kannste sicher auch sagen, dat tausend Jahr bei dir nicht mehr sind als en Minütschen, ja? Gott nickt wieder. Wenn et so ist, lieber Jott, dann kann man gewiß auch sagen, dat tausend Mark für dich nur en Groschen sind!  Gott stimmt ihm zu. Nun rückt Tünnes mit seinem eigentlichen Wunsch heraus: Lieber Jott, dann gib mir ens en Groschen!  Gott antwortet: Wart e Minütschen!

 

Gott ist von der Zeit nicht abhängig, wir aber sehr wohl.  Wir eilen auf die Zeit zu, da alle Zeit einmünden wird in die Ewigkeit.

 

Wenn wir von der Auferstehung Jesu her kommen und auf die eigene Auferstehung hin leben, werden wir die Dinge, die unser Leben ausmachen als die vorletzten sehen lernen. Dann halten wir es mit dem vorhin gesungenen Lied: „Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn, sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn… Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied; wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit.“

 

Die Bedeutung des Osterlachens liegt darin, daß dadurch zum Ausdruck gebracht wird: wir halten es mit dem Leben, der Tod hat verloren. Wir können lachen, denn das Leben hat gesiegt. Auch wenn wir noch weinen müssen, das Leben wird den Sieg behalten.

In Jesus Christus hat Gott den Sieg über Tod und Teufel errungen.  

Und wir sollen an diesem Sieg teilhaben.

 

Zum Abschluß will ich noch einen darbieten:

 

Der Pastor erklärt im Religionsunterricht: Manche Gebote Gottes gelten für ganz bestimmte Leute. Wer kann mir ein Beispiel nennen?  Malte meldet sich: Das 8.Gebot. Dieses Gebot gilt hauptsächlich für die Lehrer, denn da heißt es: Du sollst kein falsches Zeugnis geben.

 

Wir aber wollen Zeugnis geben von der Osterhoffnung: das ist die Auferstehung von den Toten.

 

Amen.