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 Gründonnerstag                                    13.04.2006

 

Predigt Pastor Alfred Sinn

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

 

im Verlauf des Unterrichts ist das Thema „Abendmahl“ erst gegen Ende dran. Das deshalb, weil es keine leichte Thematik ist. Bis wir mit den Konfirmanden so weit sind, müssen sie andere Punkte hören und erfahren: die Gebote, das Gebet, die Bibel, der Gottesdienst usw. Das Abendmahl ist so etwas wie Krönung.

Im ganzen Unterrichtsjahr seid ihr mit dem Göttlichen konfrontiert worden. Das Göttliche aber ist das ganz Andere. In den Kategorien unseres Wissens und Denkens können wir Gott nicht erfassen. Er bleibt ein Geheimnis und er ist heilig. Wir können von ihm nur wissen, wenn er sich uns mitteilt. Gottlob, er hat sich der Welt mitgeteilt. Und er nimmt nicht allein unseren Verstand in Beschlag, sondern spricht uns in unserem ganzen Sein an. Sowohl das Hören als auch das Sehen, aber auch das Gefühl und sogar das Schmecken  sollen zum Zuge kommen, freilich zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich gewichtet.

Heute sind es mehrere Sinnesorgane zusammen, die mit dem göttlichen Geheimnis in Berührung kommen: das Ohr, das Auge, der Gaumen. Der Himmel verbindet sich mit der Erde. Der Mensch soll das Göttliche in sich aufnehmen und verwandelt werden zu dem wahren Ebenbild Gottes.

 

Für das Auge soll das verdeutlicht werden anhand eines Bildes. (wird an die Leinwand projiziert)

Was ist das für eine Darstellung? Das sieht aus als hätte jemand nicht aufgepaßt und sein begonnenes Bild mit einem Farbtropfen bekleckert. Doch nein, das Bild ist so gewollt. Es wurde 1965 vom spanischen Künstler Salvador Dali gemalt. Das Bild gehört zu einer Reihe von Lithographien, mit denen Dali eine Bibelausgabe illustriert hat. Diese Zeichnung hat er Die Einsetzung der Eucharistie“  genannt.

 

Zunächst fällt der Farbklecks ins Auge. Ein dunkler Punkt in der Mitte, drum herum das Gold und zum Rand hin die Spritzer. Mit der goldenen Farbe greift der Maler eine alte Tradition auf. Die goldene Farbe ist das Symbol des Göttlichen. Das Gold umfängt den dunklen Punkt. Das schwarze Loch steht für das Nichts. Ob Dali damit auch an die Schöpfungsgeschichte gedacht hat? Das Göttliche bricht in das Nichts hinein. Das Göttliche ordnet das Chaos. Das Göttliche entfaltet eine Dynamik, die von der Mitte ausgehend bis an den äußersten Rand hin ausstrahlt. Wie Dynamit explodiert der Tropfen und breitet sich aus.  Das Wort Dynamik und Dynamit kommt aus dem Griechischen und bedeutet Kraft. Mit großer Kraft hat Gott diese Welt ins Leben gerufen. Ohne seine erhaltende Kraft würde unsere Welt wieder ins Chaos stürzen. Wir erleben, daß überall dort, wo Gottes Kraft geleugnet wird, das Chaos sich ausbreitet.

 

Doch Gottes Kraft entfaltet sich nicht nur im Großen, sondern auch um Unscheinbaren. Die kleinen Dinge nutzt Gott, um seine Kraft zu entfalten. Angefangen von Abraham, über Mose und die Propheten bis hin zu Jesus hat Gott sich der Geringen bedient um seine Sache voranzutreiben. Der kleine Glaube kann bekanntlich Berge versetzen. Unser Glaube bezieht sich auf die Botschaft der Bibel. Wir halten es mit dem Apostel Paulus, der den Römern geschrieben hat: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“ (1,16)

 

Es ist doch bezeichnend, daß wir an einen Herrn glauben, der – wenn wir an Karfreitag denken – gescheitert ist. Am Abend davor hat er seinen Jüngern eröffnet, daß er verraten und gefangen genommen und den Tod erleiden wird. Hier ist der dunkle Punkt im goldenen Bereich. Der Tod wollte von Anfang an das Göttliche auslöschen. Das Jesuskind sollte umgebracht werden, der Teufel hat Jesus alle Reiche der Welt angeboten, das Volk wollte ihn zum König machen. Und dann hat sich Jesus dem Tod gestellt. Er hat auf seine göttliche Kraft verzichtet und sich gehorsam dem Willen des Vaters gebeugt. Mit Ostern aber hat Gott gezeigt, daß er die Oberhand behält. In der Ohnmacht hat er Macht bewiesen.

 

Das Göttliche hat sich mit dem Irdischen verbunden, um es zu verwandeln. Das drückt auch das Bild von Salvador Dali aus. Wie ein Farbtropfen, der von oben herabfällt, so kommt Gott vom Himmel auf die Erde. Ein Farbtropfen ist ein dreidimensionales Gebilde. Er trifft auf ein Blatt Papier und verbreitet sich auf der zweidimensionalen Ebene. So ist Gott aus seiner himmlischen Dimension in unsere Dreidimensionalität gekommen und hat ihr seinen Stempel aufgedrückt.

 

Der Himmel durchdringt die Erde. Das wird auch beim Abendmahl deutlich. Hier prallen zwei Welten aufeinander, die göttliche und die irdische. Die irdische Welt ist hart. Das Göttliche geht an ihr zugrunde. Wie der Farbtropfen beim Aufprall zu einem Klecks wird, so bricht das Göttliche beim Zusammenprall mit dieser Welt auseinander, aber nicht so, daß es dadurch kaputt ginge. Im Gegenteil, das Göttliche rettet die kaputte Welt. Es verbreitet sich über das Ganze der Welt, durchdringt sie mit seiner Farbe, hüllt sie in ein neues Licht. „Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein“ (EG 23). Das Tote, das Vergehende wird zum Leben verwandelt.  Das ist das Geheimnis der Eucharistie: irdische Materie wird zum Ort der Anwesenheit Gottes.

 

Der Künstler reduziert das Abendmahlsgeschehen auf eine Person, Jesus. Er ist die zentrale Gestalt im göttlichen Geschehen des Heils.  Auf ihn konzentriert sich auch das Böse. Ihn trifft es in der Mitte wie Dynamit. Es will ihn ins Nichts reißen. Indem der Beschuß zur Explosion kommt, verbreitet sich aber nicht das Chaos, sondern die goldene Farbe dominiert, sie ist dabei, sich bis zum Rand hin auszudehnen und wird auch die dunklen Flecken bedecken, die noch vorhanden sind.

 

Was tut Jesus bei solchem Beschuß? Er bricht das Brot und reicht es nach rechts und nach links. Durch ihn wird die Welt versöhnt mit Gott. Durch ihn breitet sich das Göttliche aus über dieser Welt. Er ist es, der das Göttliche an dich weitergibt. Dir reicht er das Brot. Mensch, bist du in Reichweite, daß du das Brot in Empfang nimmst? Es scheint, als würde das Gold aus dem Kelch hervorgehen. Klingt da nicht an: Christi Blut für dich vergossen? Nimm vom Brot, nimm den Kelch, dann wirst du teilhaftig der goldenen Farbe. So steht das Abendmahl für das Heil, das uns zuteil werden soll.

 

Dein ganzer Mensch soll mit dem göttlichen Geheimnis in Berührung kommen. Mit den Ohren hast du die Botschaft vernommen; deine Augen (noch mehr: die Augen des Herzens) erkennen in Christus die Herrlichkeit Gottes; dann sollst du beim Abendmahl auch schmecken wie freundlich der Herr ist.

 

Liebe Konfirmanden, macht auch später davon Gebrauch.

Amen.