14. Sonntag nach Trinitatis 17.09.2006
Besuch aus der Partnergemeinde Härtensdorf
Bläservorspiel
Begrüßung
* Chor: Die helle Sonn leucht jetzt herfür
Lied : 447, 1 – 3 + 8 – 10 Lobet den Herren
Psalmgebet: Psalm 63, 2 – 9 Gem.: Ehre sei dem Vater …
Kyrie – Liturgie
Epistel: Römer 8, 14 – 17 * Chor: Halleluja (EG 182)
Lied : 251, 1 – 5 Herz und Herz vereint
Evangelium: Matthäus 13, 44 - 46 Gem.: Lob sei dir o Christe
Glaubensbekenntnis
Lied : 384, 1 + 4 Lasset uns mit Jesus ziehen
P r e d i g t : 1.Thessalonicher 1, 2 – 10 Pastor Alfred Sinn
Lied : 321, 1 - 3 Nun danket alle Gott
Grußwort der Partnergemeinde : Pfr. Stefan Richter
* Chor: Härtensdorf (Großer Gott)
Einführung : Kirchenvorsteherin Edda Laackmann
* Chor: O daß ich tausend Zungen hätte
Mitteilungen G e b e t
Lied : 221, 1 - 3 Das sollt ihr, Jesu Jünger
A b e n d m a h l S e g e n
Lied : 222, 1 - 3 Im Frieden dein
Bläsernachspiel
P r e d i g t : Pastor Alfred Sinn
Liebe Gemeinde, liebe Partner,
es gibt ein Lied, das gerne am Kindergeburtstag gesungen wird. Die Eltern blicken voller Stolz auf ihr Kind und singen von ganzem Herzen: „Wie schön, daß du geboren bist.“ Wenn ein Kind da ist, kann man sich das Leben ohne dieses Wesen gar nicht mehr vorstellen. Mit Überzeugung wird den Zeilen beigepflichtet: „Wie schön, daß du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermißt. Wie schön, daß wir beisammen sind, wir gratulieren dir Geburtstagskind.“ Diese Worte sind eine Liebesbezeugung und Liebeserklärung. Einer freut sich an der Existenz des anderen.
Ich will im folgenden ein solches Zeugnis abgeben. Um wen es sich handelt, wird sich am Ende herausstellen.
Wie schön, daß es dich gibt! Ich kann es mir gar nicht vorstellen, ohne dich zu sein. Wie gut, daß wir beisammen sind. Du bereicherst mein Leben. Ohne dich würde mir was Wesentliches fehlen. Ich wäre nur ein halber Mensch. Freilich, ich würde auch ohne dich leben können – und auch müssen -, doch erst mit dir erkenne ich, welche Tiefe das Leben haben kann.
Menschen fragen sich immer wieder „Welchen Sinn hat mein Leben? Warum bin ich da? Hat meine Existenz eine Bedeutung?“ Im Zusammenleben mit dir hat sich mir nicht nur eine Tiefe des Lebens erschlossen, sondern auch eine Weite. Ich habe Hoffnung und Ausblick, ich habe Zuversicht, Freude und Frieden. Das Leben mit dir ist vielfältig, hat eine Vielfalt hervorgebracht, die ich allein gar nicht schaffen könnte. Ja, mit dir ist das Leben auf Mehr angelegt. Wir haben uns vermehrt. Wie schön, daß es dich gibt! Ich hätte dich wirklich vermißt. Jetzt, da ich um deine Existenz weiß, da ich erlebe, wie reichhaltig das Leben ist, käme ein Leben ohne dich einer Katastrophe gleich. Wie arm wäre ich dran! Sicher, ohne dich hätte ich mehr Geld, ich könnte mir mehr leisten, doch wäre ich darum nicht reicher. Es ist schon gut und richtig, daß wir zusammen sind. Wir bleiben beieinander in Freud und Leid. Ja, wir haben uns gegenseitig auch schon weh getan, doch wir sind zusammen geblieben, wir haben es miteinander ausgehalten. Bei dir habe ich Tröstung erfahren und ich habe dir auch geholfen. Das hat uns beide gestärkt. Unsere Einheit ist dadurch gefestigt worden. Ich möchte gar nicht mehr ohne dich sein. Wir bleiben zusammen. Ich freue mich und bin dankbar.
Wie schön, daß es dich gibt!
Nun könnt ihr raten, wer ist damit gemeint? So könnte ein Mann zu seiner Frau sprechen, oder umgekehrt. Auch Eltern zu ihrem Kind, oder umgekehrt. Die Worte passen auch zu einem Menschen, der ein Hobby hat, für das er gerne viel Zeit investiert.
Die Weltmeisterschaft liegt nicht lange zurück. Ein Fußballnarr kann ähnliche Gedanken für seinen Verein haben. Noch viele andere Beispiele ließen sich finden.
Ich will das Rätsel lüften. Es ist eine Liebeserklärung an die Kirche, an die christliche Gemeinde. Manch einer mag erstaunt sein. So spricht man doch nicht von seiner Gemeinde! So wichtig ist mir Kirche nun auch nicht!
Die Heilige Schrift ist da anderer Meinung.
Eine Liebeserklärung solcher Art finden wir im Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher, 1.Thessalonicher 1, 2 – 10:
2 Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet
3 und denken ohne Unterlaß vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an
eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus
Christus.
4 Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, daß ihr erwählt seid;
5 denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem heiligen Geist und in großer Gewißheit. Ihr wißt ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen.
6 Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im heiligen Geist,
7 so daß ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja.
8 Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekanntgeworden, so daß wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
9 Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott
10 und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.
Liebe Gemeinde, der Apostel Paulus betreibt hier Beziehungspflege. Er hat – zusammen mit Silas und Timotheus – diese Gemeinde gegründet. Es waren vor allem gottesfürchtigen Griechen, die sich dem Evangelium öffneten. Die Juden begegneten der Botschaft mit Feindseligkeit. Die Apostel zogen weiter, sie kamen nach Beröa, Athen und Korinth. Es ist anzunehmen, daß Paulus diesen Brief aus Korinth schrieb, wo er 1 ½ Jahre gewirkt hat.
Paulus schreibt, daß er an die Gemeinde denkt. Sein Denken an die Gemeinde ist nicht bloß eine gedankliche Angelegenheit, sondern es ist ein dankendes und fürbittendes Denken. Das, was den Apostel an der Gemeinde erfreut oder bedrückt, bespricht er mit Gott, „unserm Vater“. Paulus nennt, was er an den Thessalonichern schätzt: euer Werk im Glauben, eure Arbeit in der Liebe, eure Geduld in der Hoffnung. Damit wird die Dreiheit Glaube – Liebe – Hoffnung erwähnt. Es sind dies die Grunddimension christlichen Seins.
Werk im Glauben, Arbeit in der Liebe, Geduld in der Hoffnung - wenn wir die Hauptwörter in Adjektive umändern, kommt die Dynamik des Christseins besser zur Geltung: wirkender Glaube, tätige Liebe, geduldige Hoffnung. Es wird deutlich, daß Glaube keine private Sache ist, er will erkennbar sein in Werken; Liebe ist nicht bloß Gefühl, sondern ein gutes Stück Arbeit, Hoffnung bewährt sich in Geduld und hat ein Ziel.
Paulus findet diese Tugenden in Thessalonich vor und dankt für diese gelebte Praxis. Wie schön, daß es dich, Gemeinde gibt, wie gut, daß ihr dem Wort glaubt, wie gut, daß ihr so handelt! Religiöses und diakonisches Leben, sie sind Kennzeichen einer christlichen Gemeinde.
Die Thessalonicher haben den Glauben nicht nur theoretisch angenommen, sondern sie lassen sich von ihm zum Handeln drängen. Darin sind sie Urbild jeder Gemeinde. Im Griechischen finden wir hierfür das Wort „typos“. Der Theologe Willi Marxen sagt dazu: „Typos meint ursprünglich kein nachzuahmendes Vorbild, sondern bezeichnet den ‚Prägestempel’, der eine Spur hinterläßt, dann aber auch das ‚Geprägte’ selbst, das nun seinerseits wieder prägt.“
Die Thessalonicher sind zu einem Vorbild für andere Christen und Gemeinden geworden. Die Missionsgemeinde ist zu einer missionierenden Gemeinde geworden.
Die Mission bewirkt die Abkehr von den Götzen und die Hinwendung zu dem einen lebendigen und wahren Gott. Die Bekehrung ist ein Wechsel von der Nichtigkeit zu der Wirklichkeit, vom Nichts zum Sein.
Paulus spricht von der Kraft des Evangeliums (so auch in Römer 1,16). Das Evangelium, also das Wort Gottes, ist eine Kraft, die lebendig macht. Folgerichtig geht er im letzten Vers auf Jesus ein, den Gott auferweckt hat von den Toten und auf dessen Wiederkunft die Gemeinde wartet. Auch hierin ist uns die Gemeinde von Thessalonich Vorbild. In einer christlichen Gemeinde wird die Auferstehung Jesu und die Wiederkunft Christi gepredigt. Das unterscheidet uns von allen anderen Religionen. Das wollen wir als einzelne Christen, aber auch als Gemeinde weitergeben.
In unseren Gemeinden ist die Dimension des Evangeliums als Kraft Gottes weithin verloren gegangen. Doch diese Kraft ist auch heute wirkmächtig. Das Lesen der Schrift und die Predigt sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern bilden, so daß der Christ gestaltet wird zu dem Bild, das Gott in ihm sieht. Das Evangelium will Glaube, Liebe und Hoffnung wecken und erhalten. Die Gemeinde proklamiert mit ihrer Existenz in dieser Art den Sieg Gottes.
Es gibt auch in unserer Gemeinde Grund zum Danken: denken wir an die vielen Aktivitäten, die jede Woche stattfinden, an die Menschen, die sich für die Gemeinde, für andere einsetzen, an die finanziellen Mittel, die aufgebracht werden, an unsere Gebäude, die wir haben. Wie schön, daß es das alles gibt, wie wichtig auch, daß das alles erhalten bleibt. Denken wir daran und danken wir Gott für das, was er an uns getan hat. Denken und Danken gehören zusammen. Das alles bedeutet nicht, daß Schwächen übergangen werden müssen. Die gibt es allemal, doch heute sollen der Dank und die Freude im Vordergrund stehen.
Ein weiterer Grund zu Freude und Dank ist die Partnerschaft zwischen diesen beiden Gemeinden. Sie besteht seit bald 50 Jahren. Wie schön, daß ihr hier seid. Wir tauschen uns aus, wir lernen voneinander.
Wie schön, daß es dich gibt, Gemeinde! Du Gemeinde in Süderhastedt und du Gemeinde in Härtensdorf. Werde auch weiterhin, was du bist! Du bist ein Schatz. Mögen ihn doch viele entdecken. Du bist eine Perle. Mögen doch viele sich für sie entscheiden!
Wie schön, daß es dich gibt!
Amen.
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