4.Sonntag nach Epiphanias 29.01.2006
Pastor Alfred Sinn
Liebe Gemeinde,
wenn wir einen Artikel kaufen, achten wir auf seine Beschaffenheit. Mit den Augen wird er begutachtet, mit den Händen betastet. Findet er unser Gefallen, wird er erworben.
Beim Kauf einer Ware lassen sich nicht wenige Menschen von der Werbung leiten. „Technisch und optisch einwandfrei“, ist dann zu lesen, oder „Neu, mit verbesserter Qualität; ein Muß für jedermann …“. Solche Schlagwörter sollen die Neugier wecken, sollen zum Kauf motivieren. An jungen Menschen ist festzustellen, wie sehr sie in Kategorien der Werbung denken. Nicht umsonst werden Millionen Beträge in die Werbung gesteckt. Werbung ist ein wichtiger Faktor in unserer Wirtschaft.
Liebe Gemeinde, die Bibel ist ein Werbebuch. In ihr ist himmlische Werbung zu finden. Gott wirbt um seine Menschen, er umwirbt sie, lockt sie, auf das Angebot, das er macht, einzugehen. Dabei bietet er seine „Ware“ kostenlos an, doch sie ist nicht umsonst zu haben. Einen Preis hat die Rettung für den Himmel schon. Dabei hat Gott in Christus den Preis gezahlt. Wenn nun jemand das Angebot annimmt, wird von ihm nicht weniger erwartet als der Einsatz des Lebens – mit der Aussicht auf Leben, das unvergänglich ist.
Die Kirche macht Werbung für diese Sache, sie selber soll Aushängeschild dafür sein. Sind wir das?
Der Apostel Paulus lobt die Gemeinde zu Ephesus. Er hat Gutes von ihr gehört. Hier seine Rückmeldung: Epheser 1, 15 - 20
15 Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen,
16 höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet,
17 daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.
18 Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist
19 und wie überschwenglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde,
20 mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel
In Ephesus haben Christen von sich reden gemacht. Sie haben durch ihren Glauben und ihr Leben für das Evangelium geworben. Das Christentum hat sich nicht nur durch die Verkündigung der Apostel ausgebreitet, sondern durch die Art und Weise, wie die Christen miteinander gelebt haben.
Werbung ist nicht alles, aber auch nicht unwichtig. Das ist anhand des heutigen Ephesertextes zu lernen.
Auch wir können als Christen von uns reden machen. Das braucht die Welt sogar.
Umsomehr da in unserer Zeit und Gesellschaft die negativen Schlagzeilen überwiegen. Menschen machen von sich reden, leider oft in unrühmlicher Weise.
Der Apostel Paulus hat die Gemeinde zu Ephesus gelobt: Ich habe gehört von dem Glauben bei euch und von der Liebe zu den Heiligen. Wenn es so bleibt, steht es nicht schlecht um das Christentum.
Nun sind 2000 Jahre vergangen. Können wir Gleiches von unseren Gemeinden sagen? Ach wie gerne würde ich meine Gemeinde loben! Alles bestens. Wir sind ein echtes Aushängeschild – Glaube, Hoffnung, Liebe, alles klappt. Doch die Lage ist eine andere. Es ist bloß eine Minderheit, die den Glauben an Jesus pflegt. Es gibt noch viel zu tun.
Dabei besteht in unserer Zeit die Gefahr des Aktionismus. Gemeindefeste, Basare, Clownerie und dergleichen mehr sollen das Gemeindeleben in Schwung bringen. Es wird über den großen Teich geguckt, zu den Megakirchen, die jeden Sonntag Tausende von Leuten zusammenbekommen. Wie machen die das? Was zieht? Ratgeberbücher haben Hochkonjunktur.
Die Institution Kirche engagiert Unternehmensberater, die sollen aus der Patsche helfen. Die kommen dann zum Ergebnis: das Produkt ist gut, doch es hapert an der Vermark-tung. Und so machen sie Vorschläge - nach unternehmerischen Gesichtpunkten.
Eine verheerende Entwicklung und Wirkung in unserer Kirche ist, daß am verkündigenden Personal gespart wird. Das wird sich in einigen Jahren bitter rächen.
Nichts gegen Aktionen in der Gemeinde, wir selber bieten immerhin einiges an. Doch es geht nicht darum, einen Gottesdienst über die Bühne gehen zu lassen. Wir wollen keine Schau bieten, sondern Gottesdienst feiern. Es soll nicht das ablaufen, was die Leute hören wollen, sondern es soll das geboten werden, was Gott möchte, daß verkündigt wird. Das ist, um es mit dem Wochenspruch, Psalm 66,5, zu sagen: »Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.«
s gibt in unserer Gemeinde Grund zum Dank. Wir haben Menschen, die sich für die Gemeinde einsetzen: im Kirchenvorstand, in den Ausschüssen, Kirchenchor, Posaunenchor, Kindergruppen, Kindergarten, Besuche … Der Gottesdienstbesuch läßt sich auch sehen. Freilich, es ist nicht die Masse und oft sind es dieselben, die mehrere Tätigkeiten ausüben. Euch, die ihr treu mitmacht, sei gesagt: Wir hören und sehen eure Bereitschaft; den Dank dafür wollen wir nicht außer Acht lassen.
Doch von Paulus ist zu lernen in welche Richtung der Dank noch zu gehen hat. Der Apostel singt kein Loblied auf die Gemeinde, sondern er dankt und lobt Gott! Die Kraft Gottes hat die Gemeinde zum Blühen gebracht. Er ist es, der Großartiges gewirkt hat. Gott soll der Gebende bleiben und die Gemeinde die Empfangende. Die Erkenntnis, die ihr habt, möge euch erhalten bleiben; dafür bete ich. Die Antwort auf Gottes Segnungen ist der Dank.
Der Vater der Herrlichkeit gebe euch 'erleuchtete Augen des Herzens'. Damit wird deutlich, daß das Erkennen Gottes mehr ist als ein verstandesmäßiger Prozeß. Das Herz sieht Dinge, die die Augen nicht sehen. Es sieht oft auch weiter und schärfer als die Augen. Selbst Ferngläser können nicht so weit sehen wie das Herz, und Mikroskope nicht so tief wie das Herz.
Was erleuchtete Augen des Herzens sind läßt sich an Weihnachten festmachen.
Unsere Augen erkennen einen unscheinbaren Stall, eine Krippe, darin liegt ein Kind armer Eltern. Die Augen sehen Armseligkeit und Niedrigkeit. Doch das Herz erkennt den Erlöser, den himmlischen Glanz, die Herrlichkeit Gottes. Mit den erleuchteten Augen des Herzens erkennen wir, was Gott in Christus für uns getan hat.
Wer nur mit den leiblichen Augen die Bibel liest, sieht die Buchstaben, hört die Geschichten ohne einen Bezug zu sich zu erkennen. Wer mit dem Herzen liest, weiß, daß diese Zeilen ihn selber was angehen. Solches Erkennen aber kann der Mensch nicht schaffen, es muß ihm von Gott gegeben sein. Darum preist Paulus die überschwengliche Kraft Gottes, den Geist der Wahrheit, durch den Gott solches bei den Gläubigen bewirkt.
Aus der Anfangszeit der Mission in PNG wird berichtet, daß ein Missionar nach einem passenden Wort für „Glaube“ suchte. Ein Einheimischer fragt ihn: Du erzählst uns von Jesus. Dieser Jesus sei gekreuzigt und auferstanden. Hast du Jesus gesehen? Der Missionar sagt: Nein. Hat dein Vater ihn gesehen, oder dein Großvater? Nein. Dann lebte Jesus wohl gar nicht in deiner Heimat. Woher weißt du dann, daß Jesus lebt?
Während die beiden miteinander sprechen, wird die Sonne von einer Wolke verdeckt. In diesem Moment kommt dem Missionar der helfende Einfall. Er fragt den Einheimischen: Kannst du die Sonne jetzt sehen? Der Mann schüttelt den Kopf. So ist es auch mit Jesus. Wie die Sonne scheint, auch wenn du sie nicht siehst, ist auch Jesus da, obzwar er mit den Augen nicht gesehen wird. Der Mann denkt lange nach und sagt: Ich verstehe. Dein Auge hat Jesus nicht gesehen, aber dein Herz kennt ihn. Mit dem Herzen hast du Jesus gesehen. Nun hatte der Missionar das Wort für Glaube: „mit dem Herzen sehen“.
Liebe Gemeinde, wer glaubt, befindet sich im Bereich des Christus, ist Glied seines Leibes. Glaube ist ein Wachsen an Erkenntnis. Die Erkenntnis Gottes kommt, indem man um das Heilshandeln Gottes weiß und sich damit beschäftigt. Wachsen an geistlicher Erkenntnis führt in immer größere Abhängigkeit. Das Gebet wird eine zentrale Rolle einnehmen. Dank, Bitte und Fürbitte werden wichtig.
Die erleuchteten Augen des Herzens erkennen die Hoffnung, zu der wir berufen sind
und die Herrlichkeit des Erbes. So ist der Glaube durch die Hoffnung auf Zukunft aus-gerichtet. Der Glaube erfüllt mit Freude über die Herrlichkeit, bei Gott zu sein. Dabei ist diese Herrlichkeit nicht eine, die in ferner Zukunft liegt, sondern heute schon real. Als Theologen sprechen wir von der "präsentischen Eschatologie". Wörtlich übersetzt heißt das: "heutige Zukunft". Wir haben jetzt schon, was wir einmal unverhüllt in Empfang nehmen werden.
Bis dahin aber muß der einzelne Christ und auch die Gemeinde dranbleiben, sich im geistlichen Wachstum üben. Das geschieht nicht zuletzt im Gebet, in Für-Dank und Für-Bitte.
Und so, daß wir bestrebt sind eine Werbung zu sein für die, die diese Erkenntnis noch nicht haben.
Amen.
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