P f i n g s t m o n t a g 2006
Mühlengottesdienst bei der Hochzeitsmühle Aurora in Hochdonn
mit dem Posaunenchor
P r e d i g t : Begeisterung heißt Belebung Pastor Alfred Sinn
Liebe Gemeinde,
wie ganz anders sich doch die Jünger Jesu mit und seit Pfingsten verhalten. 50 Tage zuvor hatten sie sich noch verkrochen. Die Angst bestimmte ihr Verhalten, sie versammelten sich zwar, doch die „Türen waren verschlossen aus Furcht vor den Juden“, wie es im Johannesevangelium (20,19) geschrieben steht. Jesus freilich kann von Türen und Mauern nicht verhindert werden. Er erscheint seinen Jüngern und spricht ihnen den Frieden zu. Trotzdem, die Angst bleibt. Eine Woche später versammeln sie sich wieder hinter verschlossenen Türen. Thomas, der bei der ersten Erscheinung Jesu nicht dabei war, hat Zweifel. Nun da Jesus wieder erscheint und ihn direkt anspricht, kann er nicht anders als bekennen: Mein Herr und mein Gott! Jesus spricht die selig, die nicht sehen und doch glauben.
In der Situation sind auch wir: wir sehen Jesus nicht, doch wollen wir im Glauben daran festhalten, daß er da ist. Durch den Heiligen Geist nimmt er Wohnung bei und in denen, die an in glauben. Liebe Leute, ihr seid selig, wenn ihr an ihn glaubt, auch wenn ihr ihn nicht seht.
Auch nach der Himmelfahrt Christi gingen die Jünger noch nicht an die Öffentlichkeit. Sie hielten sich an die Anweisung Jesu, der gesagt hat: Bleibt in Jerusalem bis ihr ausgerüstet werdet mit der Kraft aus der Höhe. Jesus hatte keinen bestimmten Tag hierfür benannt. Nun aber, 10 Tage später, war es soweit. Der Geist kam über sie, gleichsam wie ein Blitz vom Himmel.
Es war am jüdischen Feiertag Schawuot, 50 Tage nach dem Passahfest. Für Israel war das ein Erntedankfest und ein Gedenktag an die Gabe der 10 Gebote. Viele Pilger waren nach Jerusalem gekommen.
Wieder sind die Jünger in einem Haus versammelt, vermutlich bei verschlossenen Türen und noch immer ängstlich. Nun greift der Herr mit seinem Geist ein, die Verschlossenheit wird aufgebrochen. Plötzlich kommt ein Wind auf. Das Brausen vom Himmel wird immer stärker. Es lenkt die Aufmerksamkeit der Einwohner und Pilger auf das eine Haus. Was ist da bloß los? Die Menschen strömen dorthin. Sie hören die Jünger von den großen Taten Gottes reden, und zwar in ihrer Sprache.
Diese Erscheinung löst bei den einen Betroffenheit aus, andere verharren im Spott. Das ist auch heute noch so: da, wo Gott durch seinen Geist wirkt, scheiden sich die Geister.
In der Tat, der Geist Gottes fordert eine Entscheidung. Die Betroffenen fragen: Was will das werden? Die Deutung des Ereignisses kommt von den Jüngern. Nun, da sie mit dem heiligen Geist ausgerüstet sind, weicht auch die Ängstlichkeit von ihnen. Sie machen die Türen auf und gehen hinaus unters Volk. Erst mal zu der Menge, die sich versammelt hat, später bis an das Ende der Erde, wie der auffahrende Herr ihnen angekündigt hatte.
Diese vormals ängstlichen Männer sind gar nicht mehr furchtsam. Das durchzieht die ganze Apostelgeschichte. Trotz Vermahnung, Schläge, Gefängnis, ja auch Tod hören sie nicht auf, Zeugnis von Christus abzulegen. „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“, faßt Petrus zusammen (Apg. 5,29).
Mit Pfingsten ist in der Tat eine Veränderung an den Jüngern Jesu zu erkennen.
Die Jünger werden zu Aposteln. Die Begeistung führt zu Begeisterung.
Die Begeisterung steckt andere an. Es kommt zur Entstehung der ersten christlichen Gemeinde. Man stelle sich vor: auf einen Schlag zählt die Gemeinde 3000 Menschen. Das ist die Größenordnung unserer Kirchengemeinde Süderhastedt. Von 0 auf 3000; in unseren Tagen würde es eher umgekehrt sein. Doch warum verzagen? Auch in unseren Tagen wirkt der heilige Geist, wenn auch nicht so spektakulär wie damals in Jerusalem. Im übrigen gibt es auch in der Apostelgeschichte Berichte, die vom Wirken des Geistes sprechen, ohne daß es zu solchen Erscheinungen kam.
Daß der Heilige Geist sich an das Wort bindet, ist schon bei der Ausgießung in Jerusalem festzustellen. Nicht von ungefähr hat Gott seinen heiligen Geist an diesem Tag ausgegossen, an dem Tag, da Israel für den Empfang der Gebote dankt. Geist und Wort gehören zusammen. Das wird auch deutlich an der Predigt des Petrus. Er spricht von Jesus, der von den Toten auferweckt wurde. Er holt aus und verweist auf Gottes Wirken in der Geschichte. Alle Offenbarung läuft hinaus auf die Erscheinung des Erlösers.
Das Volk ist ergriffen. Hat es vorhin gefragt „Was soll das werden“?, verlagert sich nun die Frage auf die persönliche Ebene: „Was sollen wir tun?“ An der Antwort des Petrus zeigt sich, was der Geist bewirkt, was Gott bezweckt. Petrus predigt nicht Halleluja, sondern Buße. Ganz anders ist das heute in sog. charismatischen Gemeinden. Dort wird großer Wert gelegt auf ekstatische Bekundungen. Immer wieder ist ein vielfältiges Halleluja zu hören, sei es vom Prediger oder von den Versammelten.
Petrus spricht: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes. Laßt euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht.“ Die Begegnung mit dem heiligen Geist führt also nicht nur zu Begeisterung, sondern erst mal in die Betroffenheit. Die Niederländerin Corrie ten Boom (sie war von den Nazis ins KZ gesperrt worden) hat gesagt: „Der Heilige Geist macht uns zuerst sündenbewußt, aber wenn wir bekennen, für Vergebung danken, macht er uns siegesbewußt.“
Die Jünger Jesu haben den Auferstandenen als Sieger erlebt. Nun, da er von ihnen gegangen ist, bestätigt ihnen der Geist, daß Jesus Sieger ist und bleibt. Von der Vergebung und dem Sieg sollen die Menschen erfahren. Ihnen wird konkret gesagt, was sie zu tun haben. Während das Volk das Pfingstereignis zunächst nicht deuten konnte, begreifen die Menschen nach der Predigt des Petrus, daß sie Stellung beziehen müssen: Was sollen wir tun? Der Geist führt über das Wort in die Entscheidung.
So geht Gott auch heute vor. Und selbst wo Menschen durch außergewöhnliche Ereignisse mit der göttlichen Wirklichkeit konfrontiert werden, werden sie an das Wort verwiesen. Die Anbindung an das Wort ist deswegen wichtig, weil es sonst leicht zu Schwärmerei kommt. Es schleichen sich dann andere Geister ein. Wie z.B. in der Esoterik. Da gibt einer an, er habe eine wunderbare geistige Erfahrung gemacht, er sehe nun die Welt mit anderen Augen. Doch wenn diese Erfahrung den Menschen nicht enger ans Wort treibt, war nicht der heilige Geist Gottes am Werk.
Deshalb bedarf unsere Begeistung und Begeisterung der Lenkung und Korrektur durch das Wort und der Orientierung am Wort. Denn die Geisterfüllung soll keine Momentaufnahme bleiben. Das geistliche Wachstum erfolgt indem man sich mit dem heiligen Wort Gottes beschäftigt.
Deshalb feiern wir auch jeden Sonntag Gottesdienst und nicht nur einmal im Jahr. Deswegen sollten wir jeden Tag beten und nicht nur wenn es uns schlecht geht. Solche regelmäßige Beschäftigung führt von der Begeistung über die Begeisterung zur Belebung. Die Kontinuität ist schon auch ein Gradmesser für den Glaubensstand.
Das ist auch an der ersten Gemeinde in Jerusalem abzulesen. Es steht geschrieben: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Das sind Kennzeichen, an denen bis heute Kirche zu definieren ist.
Liebe Gemeinde, eigentlich ist uns der heilige Geist bei unserer Taufe gegeben worden. Er wohnt in uns und will uns prägen, indem wir uns kontinuierlich dem Wort Gottes aussetzen. Fragt euch doch immer wieder: Was sollen wir tun? Antwort: Tut Buße! Bleibt beständig, macht in der Gemeinschaft mit, haltet an am Gebet.
Der Segen des Herrn wird nicht ausbleiben.
Ich schließe mit einem Gebet des Kirchenlehrers Ausgustin:
Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke,
Treibe mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue,
Locke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe,
Stärke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüte
Hüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere.
Amen.
G e b e t (zu Beginn des Gottesdienstes)