Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.
Liebe Gemeinde,
der Predigtvers, den ich für den diesjährigen Altjahresabend ausgewählt habe, steht im Brief des Paulus an die Hebräer und lautet: Hebräer 13, 8 - 9
Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.
Laßt euch nicht fortreißen durch verschiedenartige und fremde Lehren; denn es ist gut, daß das Herz durch Gnade befestigt werde, nicht durch Speisen, von denen die keinen Nutzen hatten, die danach wandelten.
Apropos Speisen: Haben sie auch schon Salz und Zucker, Kerzen und Brennholz gebunkert ?
Suchen sie auch nach den alten Rezepten von Oma, wie man Brennesselspinat und Mehlsuppe zubereitet ? Haben Sie auch schon überlegt, wo Sie in ihrem Garten wieder Kartoffeln anpflanzen und in welchem Strohhaufen Sie einen Schinken verstecken könnten ?
Hoffentlich, denn wie sie sicher schon mitbekommen haben, die Zeiten werden schlechter ! Unheil und Elend drohen uns, wer weiß ob wir uns nächstes Weihnachten noch satt essen können.
Liebe Gemeinde,
daß ist natürlich alles übertrieben, aber Tatsache ist: Kaum ein anderes Thema hat uns im vergangenen Jahr mehr beschäftigt als die Furcht den kommenden Zeiten. Die Furcht vor einer drohenden Rezession, vor leeren Staatskassen, Arbeitslosigkeit, Mehrwertsteuererhöhung und Gesundheitsreform. Wo immer drei Leute zusammensitzen wird auf die Politiker geschimpft und dunkle Zukunftsaussichten entworfen.
Wenn man in diesen Tagen die Zeitungen aufschlug oder im Fernsehen die Jahresrückblicke verfolgte konnte man deprimierende Bilder sehen und allweil düster-pessimistische Prophezeiungen hören.
Ich weiß nicht wie es ihnen damit geht, ich persönlich und ich will es mal heute ganz offen sagen: Ich kann das Gejammer nicht mehr hören !
Sehen wir uns in der Geschichte um. Sehen wir uns auf unserer momentanen Welt um.
Kriege und Gewalt, Not und Elend wohin man auch blickt. Allein 40 000 Kinder verhungern täglich weltweit, die die erschlagen, mißbraucht und mißhandelt werden nicht mitgerechnet.
Und wir ?
Wir leben durch Gottes Gnade in einem goldenen Zeitalter, auf der Luxusinsel Europa, in einer Zeit, geprägt von Frieden und allgemeinem Wohlstand. Das hat es in der
Geschichte noch nicht gegeben und um uns herum in der Welt, gibt es das auch nicht eben oft. Und statt uns dessen zu freuen und Gott zu danken für diese Gnade, haben wir nichts besseres zu tun als zu nörgeln und zu jammern, als stehe der Untergang Deutschlands bevor. Unser Bundespräsident Köhler hat dieses Gejammer zu Recht als „törichtes Gerede“ bezeichnet.
Sicher geht es manchen schlechter. Sicher ist bei uns allen ein bißchen weniger Geld in den weihnachtlichen Einkaufsportemonnaies gewesen und doch, seinen wir mal ehrlich, geht es uns allen, trotz kleiner Einschränkungen immer noch Gold.
Nun, vielleicht sind solche kleinen Krisen und Flauten manchmal notwendig um sich in Erinnerung zu rufen, wie instabil letztlich die menschliche Existenz ist. Aber wir müssen aufpassen, daß diese schlechten Bilder sich nicht in unsere Seelen einbrennen, weil sie gleichzeitig unsere Hoffnung ersticken würden „Laßt euch nicht fortreißen“ sagt uns der Apostel Paulus. Nicht fortreißen von Stimmungen, nicht fortreißen von Wohlstandsbauchschmerzen nicht fortreißen von dem Gerede der Gottlosen.
Abgesehen davon, daß unsere Befürchtungen gewiß übertrieben sind, so bleibt doch der Grund zu unseren Füßen ein fester, mögen die Zeiten auch wanken und dieser Grund heißt Jesus Christus.
Dessen gewiß, wollen wir heute am Altjahrsabend einmal die großen und die kleinen Sorgen hinter uns lassen und trotz des anschwellenden Lärms da draußen, still werden und in uns gehen.
Und wohin gehen unsere Gedanken dann heute abend? Was bewegt uns in diesen letzten Stunden des zu Ende gehenden Jahres? Welche Wünsche haben wir? Welche Ängste und Befürchtungen? Was möchten wir festhalten vom alten Jahr und was im neuen gewinnen?
Vor allem: Wo ist das Bleibende im Fluge der Zeiten, wo das Feste, wenn alles doch so flüchtig ist, wie es uns im Alltag so deutlich bewußt wird. Wo ist die Mitte, auf die wir uns stellen können und wo der Halt, wenn wir den Weg unseres Lebens gehen?
Der Predigtvers für diesen Abend beantwortet diese Fragen ganz kurz, ganz schlicht und überzeugend: Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.
Er, dieser Jesus Christus, ist uns von Gott zur Stütze gemacht, zum Wegweiser und Führer, zum Begleiter und zum Ziel. Er ist der Anfang und das Ende, die Mitte und der feste Boden, der Trost in unserer Erinnerung, die Kraft, die uns ins neue Jahr begleitet... Er ist das gestern, das Heute und das Morgen, er ist es, der da war, der da ist und der da kommt.
Liebe Gemeinde, der Zuspruch für ein kleines Ritual im letzten und vorletzten Altjahres-abendgottesdienst hat mich ermuntert, auch dieses Jahr diese Gewißheit auch für die Augen und unser Herz begreiflich zu machen. Wir wollen wieder Lichter entzünden, für das, was war und was vielleicht sein wird. Ein Licht immer für das vergangene und eines für das kommende Jahr. Der Herr Jesus Christus, der für alle diese Lichter steht und der ja selbst das Licht der Welt war, ist und in Ewigkeit bleibt, möge so als der Herr und Begleiter des vergehenden und des kommenden und aller Jahre unseres Lebens sichtbar werden.
(Die 1. Kerze)
Dieses Licht leuchtet für alle Kinder, die uns im vergangenen Jahr geboren wurden und die wir getauft haben und die jetzt in unsere Gemeinde gehören und die wir lieb haben.
(2. Kerze)
Diese Kerze leuchtet für alle Kinder, die uns im nächsten Jahr von Gott geschenkt werden. Über allen Kindern und für sie sagt Gott: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
(3. Kerze )
Diese Kerze leuchtet für alle jungen Leute, die wir im vergangenen Jahr konfirmiert haben. Für alle, die versprochen haben, sich zu ihrer Gemeinde zu halten, die allein aus dem Wort Gottes lebt.
(4. Kerze)
Diese Kerze leuchtet für alle, die im kommenden Jahr konfirmiert werden und ihr Versprechen und Bekenntnis zur Gemeinde Jesu ablegen wollen. Für sie heißt es: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
(Die 5. Kerze)
Diese Kerze leuchtet für alle Paare, die im vergangenen Jahr geheiratet haben, die sich Treue und Liebe versprochen haben, bis der Tod sie scheidet. Sie leuchtet aber auch für alle, die ihr silbernes, goldenes oder diamantenes Ehejubiläum haben feiern dürfen.
(6. Kerze)
Diese Kerze leuchtet für alle, die im kommenden Jahr den Bund der Ehe eingehen und um Gottes Segen für ihre Liebe bitten wollen. Sie strahlt aber genau so für jene Paare, die im neuen Jahr silberne oder goldene Hochzeit feiern werden. Ihnen sagt dieses Licht: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
(Die 7. Kerze)
Diese Kerze leuchtet für alle, von denen wir Abschied nehmen und die wir bei uns beerdigen mußten. Und sie leuchtet für uns, wo wir vom Tod betroffen wurden und uns ein Abschied traurig gemacht hat.
(8. Kerze)
Diese Kerze entzünden wir für alle, die nach Gottes Willen im kommenden Jahr sterben müssen. Sie soll uns auf unserem letzten Weg in dieser Welt nach Hause leuchten. Vor dem Verhängnis des Todes ist uns zugesagt: Wer an Jesus Christus glaubt, der hat das ewige Leben!
(Die 9. Kerze)
Dieses Licht leuchtet für die unter uns, die im vergehenden Jahr krank gewesen und durch Zeiten des Leids hindurchgegangen sind. Für alle, die erleben mußten, wie schwer es ist, krank zu sein, aber die auch die Chance erfahren haben, die in jedem Leiden liegt: Sich einmal den tiefsten Fragen des Lebens zu stellen, die Mitte zu finden oder wiederzufinden und neu an die Hand Gottes zu gelangen...
(10. Kerze)
Diese Kerze leuchtet für alle unter uns, die im kommenden Jahr das Tal der Krankheit durchschreiten und erfahren müssen, wie einsam man da sein kann und wie angewiesen auf Gott und die anderen Menschen. Wir wollen uns auch in diesen Zeiten auf Gott verlassen, der uns zusagt: Ich will euch tragen bis ins Alter und bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.
(Die 11. Kerze )
Dieses Licht - ist dein Licht. Es steht für alles, was du im vergangenen Jahr erlebt hast und erfahren mußtest. Es leuchtet für dich in den Freuden, die du hattest und den Sorgen, die du dir gemacht hast, deinen Ängsten und Hoffnungen. Es will dir sagen, das du deine Wege im vergangenen Jahr niemals allein gegangen bist, daß dich Christus keine Minute aus den Augen verloren hat, daß du immer geführt warst, behütet von Gottes Güte - auch wo du das nicht gespürt und du dich sehr verlassen gefühlt hast.
(12. Kerze)
Dieses Licht will dich in das neue Jahr begleiten. Es will dir sagen, daß Jesus Christus, für den es das Zeichen ist, keinen Augenblick von deiner Seite gehen wird. Du mußt keine Angst haben, ER wird dich behüten in aller Gefahr, bewahren in jedem Dunkel und schützen vor aller Anfeindung und Bosheit der Menschen. Dieses Licht wird dir leuchten. Sein Schein wird dich trösten. Sein Glanz wird dich erhellen. Seine Wärme wird dich segnen. Dieses Licht sagt dir: Ich bin bei dir alle Tage bis an das Ende dieser Welt.
Halten wir das von diesem Abend fest. Das Licht unseres Herrn strahlt in der Finsternis. Das Kreuz unseres Herrn überspannt die Zeit - unsere und die der ganzen Welt.
So können wir, so meine ich getrost einen Schlußstrich ziehen unter das gewesene Jahr und wir können voll Mut und Zuversicht in die Zukunft blicken, in das Neue Jahr, an dessen Schwelle wir stehen.
Auch 2007 wird Gott seine Hand über uns halten, und wir können uns seiner Führung anvertrauen.
Ich wünsche Ihnen und Euch einen frohen Jahreswechsel
und ein gesegnetes Anno domini 2007!
AMEN