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O s t e r s o n n t a g                    16.04.2006

Im Ostersonntagsgottesdienst wurde der neu

gefertigte Leuchter eingeführt. Die Einführung

stand unter dem Motto „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“    (Psalm 36,10)

 

Bildhauer Dieter Koswig / Eggstedt hat den Leuchter hergestellt.

Die Füße sind alte Glockenklöppel vom Kirchendachboden. Das Gitter erinnert an ein Fischernetz - eine Anlehnung an die berufenen Jünger, von denen einige Fischer waren.

 

Zum anderen hat Jesus seinen Jüngern gesagt: Ihr sollt Menschenfischer werden.  Zudem ist der Fisch ein urchristliches Symbol, das auf Jesus deutet (griechisch Ichthys – „Jesus Christus, Sohn Gottes und Retter“).

 

Der Leuchter erinnert auch an einen Baum. Zum Lebensbaum im Paradies hatte der Mensch durch den Sündenfall keinen Zugang mehr. In der Offenbarung des Johannes (Kap. 22) wird die Vollendung geschildert auch im Bild von Lebensbäumen, die den Völkern zur Heilung dienen.

 

Ein Hinweis auf die Vollendung sind auch die 24 Kerzen am Leuchter. Die Zahl ist absichtlich gewählt. In der Zahl sind die zwölf Stämme Israels und die 12 Apostel enthalten. In der Offenbarung des Johannes werden die 24 Ältesten genannt, die Gott anbeten (Kap.19).

 

Also soll der Leuchter ein Ausdruck sein für die Auferstehungshoffnung, die wir haben.

Seine Funktion soll er nicht nur in Gottesdiensten erfüllen, sondern Menschen, die unter der Woche in unserer Kirche einkehren, sollen die Möglichkeiten haben, neben ihrem persönlichen Gebet, eine Kerze anzuzünden.

 

Möge der Leuchter

allen zum Segen gereichen.

 

Predigt :  Pastor Alfred Sinn

Liebe Gemeinde,

 

mit Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu von den Toten. Damit hat der Tod seine Macht eingebüßt. Das Leben, das unvergängliche, ist nicht mehr aufzuhalten. Mit Ostern feiern wir auch die uns angebotene Hoffnung der Auferstehung. Wenn wir uns an Christus halten, wird der Tod uns nicht behalten dürfen. Ostern bietet Anlaß zu Jubel, Freude und Lachen. Noch vor einigen hundert Jahren gab es in der Kirche die Tradition des Osterlachens. Im Ostergottesdienst wurde richtig gelacht. Nun kann man das Lachen ja nicht befehlen. Ein Witz, eine schrullige Bemerkung, eine komische Verhaltensweise können dazu führen, daß die Lachmuskeln in Bewegung kommen. Ein Versuch sei gemacht.

Es sitzt ein Ehepaar, beide 60 Jahre alt, im Park. Händchenhaltend betrachten sie versonnen die Landschaft. Da kommt plötzlich eine Fee vorbei, sieht die beiden und ist ganz gerührt, ob der trauten Zweisamkeit. So beschließt sie spontan, ihnen etwas Gutes angedeihen zu lassen, geht auf den Mann zu, stellt sich vor und sagt: "Du hast einen Wunsch frei." Darauf läßt der Mann ruckartig die Hand seiner Frau los und sagt mit leuchtenden Augen: "Oh, ich möchte gerne eine dreißig Jahre jüngere Frau."  Die Fee antwortet lächelnd: "Dein Wunsch sei Dir gewährt." Es macht pling, pling  -  und er ist 90!

Liebe Gemeinde, mit Ostern geht ein uralter Traum der Menschheit in Erfüllung, und zwar der Wunsch nach unvergänglichem Leben. Wir nennen es mit der Bibel ewiges Leben.

Nicht will Gott unsere törichten Wünsche erfüllen, sondern unseren Hunger und Durst nach Leben stillen.  In der Beziehung und Gemeinschaft mit ihm wird solches erlangt.

 

Zur Vertiefung der Auferstehungshoffnung und  -gewißheit liegt uns heute ein Wort aus dem AT vor: 1.Samuel 2, 1 – 2 .6 – 8a.10c :

 

1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN,

   mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan

   wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils.

2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner,

   und ist kein Fels, wie unser Gott ist.

6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und

   wieder herauf.

7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.

8 Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen

   aus der Asche.

     10 Der HERR wird richten der Welt Enden.

          Er wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Haupt

          seines Gesalbten.

 

Jetzt kann Hanna beten und zwar fröhlich beten. Ihr Mund ist voll Lachens. Sie lacht über die, die sie vormals geschmäht haben. Die andere Frau ihres Mannes hatte nur Spott und Hohn für sie übrig, darum weil Hanna kinderlos war.

 

In der damaligen Zeit war es für eine Frau ein schreckliches Schicksal kinderlos zu bleiben. Ein Leben ohne Kinder ist nicht lebenswert, eine Kinderlose sagt zu ihrem Mann: "Schaffe mir Kinder, sonst sterbe ich".  Eine Frau ohne Kinder ist in alttestamentlicher Zeit abgeschnitten von der Lebens- und Segenslinie des Volkes Israel.  Das, was Hanna durchmacht, ist unserer Zeit gar nicht so fremd. Auch heute gibt es unzählige Frauen, die über ihre Kinderlosigkeit bekümmert sind.

 

Doch Hanna fordert nicht von ihrem Mann Unmögliches, auch rennt sie nicht von einem Arzt zum anderen, sondern sie schüttet ihr Herz Gott aus. Sie geht ins Heiligtum und betet: "Herr, ich bin ja nur eine verzweifelte Frau. Wenn ich einen Sohn bekomme, dann gebe ich ihn in deinen Dienst." Als der Priester Eli sah, wie Hanna die Lippen bewegte, meinte er sie sei betrunken.

Ja, diese Frau war benommen, vor Trauer und Schmerz konnte sie keinen klaren Gedanken mehr fassen. Doch nun, da ihr Sohn Samuel geboren ist, ist sie glücklich und überaus dankbar. War sie vorher ertrunken in ihrem Unglück, ist sie nun trunken vor Freude.

Durch ihren unfruchtbaren Leib fühlte sie sich vorher  wie unter den Toten. Nun hat sie das Wunder der Schöpfung erfahren und ist wie neugeboren. Sie erlebt an sich so etwas wie eine Auferstehung. Sie hat eine Karfreitags- und eine Ostererfahrung gemacht. Vorher ging sie durchs Leben mit dem Blick nach unten gewandt, nun sagt sie: „Mein Haupt ist erhöht in dem Herrn. Ich freue mich deines Heils.“   Hanna ist glücklich, trotzdem sie ihren Sohn nach der Entwöhnung zum Priester Eli bringt und im Heiligtum läßt. Die Freude an der eigenen Fruchtbarwerdung und an diesem Kind wird zur Freude an Gott.

Sie bekennt Gott als den, der die Verhältnisse umkehren kann: die Starken werden schwach, die Schwachen werden stark; die Satten müssen hungern, die Hungernden werden satt; die Unfruchtbare bekommt Nachwuchs, die Kinderreiche welkt dahin; der Herr erniedrigt, der Herr erhöht. Über 1000 Jahre später wird Maria nach der Geburt des Heilands ähnliche Worte beten.

 

Ostern zeigt an, daß Gott noch immer die Macht hat, die Fäden hat er nicht aus der Hand gegeben. Dadurch, daß der Tod über die Menschheit gekommen ist, hat er seine Regierungsgewalt nicht aufgegeben. Im Gegenteil, mit der Auferweckung Jesu hat er gezeigt, daß er Macht hat über den Tod. Mit dieser Auferweckung haben auch wir Hoffnung und Gewißheit über den Tod hinaus. Der Tod hat nicht das letzte Wort.

Der große Theologe Karl Barth hat am Vorabend seines Todes (1968) in einem Telefonat zu einem Freund gesagt: „Es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern es wird regiert, und zwar hier auf Erde, aber ganz von oben, vom Himmel her. Gott sitzt im Regimente. Darum fürchte ich mich nicht. Bleiben wir doch zuversichtlich auch in den dunkelsten Augenblicken! Lassen wir die Hoffnung nicht sinken, die Hoffnung für alle Menschen, für die ganze Völkerwelt.“

 

Hanna bekennt: „Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.“  Auch mit diesen Worten drückt sie aus, daß Gott die umfassende Macht hat. Martin Luther hat dazu gesagt: »Wenn Gott lebendig macht, tut er das durch Töten, wenn er rechtfertigt, tut er das durch Schuldigmachen, wenn er in den Himmel bringt, tut er das dadurch, daß er zur Hölle führt«  Das sind ungewohnte Worte für unsere Ohren. Und trotzdem: wie sollten wir von der Rechtfertigung etwas verstehen, wenn wir kein Gespür für Schuld hätten!  Die Hoffnung auf Leben bleibt in uns lebendig, weil wir vom Sterben wissen!

Dieser Satz ist auch eine Entlastung für uns. Wenn etwas schief läuft im eigenen Leben, in der Gesellschaft, suchen wir nach dem Schuldigen: Es ist die Erziehung, es sind die Zwänge, die Verhältnisse, die zu einer Fehlentwicklung geführt haben. Die bi­bli­schen Ge­schich­ten ge­hen ei­nen an­de­ren Weg: Sie be­las­ten Gott und ent­las­ten den Men­schen.

 

Wenn wir – so wie Hanna – Gott anklagen, Gott die Frage stellen: Warum Krankheit? Warum dieser Todesfall? Warum diese Not? …, dann bleiben wir in der Beziehung zu ihm. Von Gott weglaufen und trotzdem hin zu ihm. Wo sonst sollten wir Rettung finden?!

 

Ostern zeigt uns, daß Gott die Verhältnisse umkehren kann. Da, wo Unfruchtbarkeit herrscht, schafft er Fruchtbarkeit. Da, wo der Tod Leben auslöscht, ruft er ins Leben zurück, in eines das Bestand hat. Gott sei Dank gibt es die Auferstehung von den Toten.

 

Einem jungen Prediger ist es unfreiwillig gelungen die Bedeutung des Evangeliums herauszustellen. Er sollte in einem Gefängnis einen Gottesdienst halten. Er hatte großen Respekt vor dieser Aufgabe und grübelte nach, wie er wohl diesen harten Jungs die frohe Botschaft verkündigen könnte.  Als er die Treppe zur  improvisierten Kanzel hinaufsteigen sollte, stolperte er über den Talar und fiel die Stufen runter. Die Gefängnisinsassen grölten und schlugen sich auf die Schenkel. Der Prediger erhob sich schnell, stieg hinauf und sagt: Fallen kann jeder, aber es kommt darauf an, wieder aufzustehen. Damit hatte er die Zuhörer gefesselt. Nun hörten sie ihm zu, wie er ihnen von dem Gott erzählte, der die Sünder annimmt und von den Toten auferweckt.

 

In Jesus hat sich erfüllt, was Hanna betete: „Gott wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Haupt seines Gesalbten“.  

Laßt uns auf diesen Gesalbten sehen, dann wird er auch uns aus dem Staub aufheben und zum Leben erwecken.

Amen.