21. Sonntag nach Trinitatis 16.10.2005 18 Uhr
vorbereitet durch den Ausschuß „Kirchliches Leben“
Thema : Gesinnungswandel
Orgelvorspiel
Begrüßung
L i e d : 60, 1 – 3 (gr) Meine Zeit steht in deinen Händen
G e b e t alle beten zusammen Eg 854 Gem: Ehre sei dem Vater ...
Lesung : Römer 10, 9 – 17 Gem: Halleluja
L i e d : 18, 1 – 4 (gr) Es geht ohne Gott
1. Beitrag : Glaube und Kirche Jens Bornholdt
L i e d : 168, 1 – 3 Du hast uns, Herr, gerufen
2. Beitrag : Ehe und Familie Peter Wiggers
L i e d : 601, 1 – 4 Hilf uns, Herr, in allen Dingen
3. Beitrag : Beruf und Arbeit Rudolf Siegesmund
L i e d : 378, 1 – 5 Es mag sein daß alles fällt
4. Beitrag : Gesellschaft und Staat Pastor Alfred Sinn
L i e d: 423, 1 + 3 –4 + 6 Herr, höre, Herr, erhöre
Mitteilungen
G e b e t ( Fritz, Sinn ) S e g e n
L i e d: 266, 1–5 Der Tag, mein Gott
Orgelnachspiel
Glaube und Kirche Jens Bornholdt
Gesinnungswandel in de Generationen
in´t Verhältnis to den Glooben un de Kark
To Tieden vun miene Groosöllern weer de Vubindung to Glooben un Kark ut ünnerscheedliche Grünn enger as hüüttodoochs.
De Ünnerricht in de Dörpsschool un bi´n Konfirmandenünnerricht weer recht wat strenger. Paster un Lehrer weern Respektpersonen. Door worn veele Bibeltexte, de Gebote un Karkenleeder utwennich leert. Un dorfun bleev wat hangen, een Leben lang, - wie ik bi miene Oma markt heff.
De Lüüd haln domols noch keene „Duur-Musik-Berieselung“ ut dat Radio un annere Medien. Se mussen de Musik noch sölber moken, un dat gung op een Dörpsfest mit een lütte Kapell, in´n Gesangvereen oder in de Kark.
Bi´n Karkgang oder bi de Pleech vun dat Familiengraff dreep man Minschen ut de Noverdörper un kreech so wat Nees to weeten. Zeitung harr ni jeder un dor stunn uk ni dat binn, wat de Lüüd so schnackt.
In de Kriechstieden weer de Kark uk an gewööhnliche Sünndoogen beeter besöcht. Veele Familien hebt um ehre Jungs an de Front oder in Gefangenschaft beet un dor weern uk mehr Lüüd in de Dörper, de as Flüchtlinge Trost un Tooversicht in Gottes Wort söchen.
Domols wie hüüt geev dat „Stammgäste“ bi´n Gottesdeenst, over de Gründe, worum de meisten Lüüd nur to de „Grooten Anlässe“ komen sünd, weern anners: Fröher hebt se Sünndoochs tohuus de lütten Arbeiten mookt, de in de Week lingen bleeven weern: Neihn, Putzen, Oprühmen, Tiet vör de Familie - un - de Wech vun de Butendörper no düsse Kark weer beschwerlicher. Veele sünd to huus bleven, weil dat ni anners gung. Over se haln uk tohuus eene Beziehung to Gott un weern dankboor.
Hüüt mutt keener ut Not oder „Arbeitsengpässe“ to Huus blieven. Hüüt ward een de Welt uk ohne Gott plausibel mookt, alln´s funktioneert uk ohne ehm un man secht: „Die Kirche kostet nur Geld.“ und „Der Sonntag morgen ist mir heilig, da schlafe ich aus.“
Ik meen, dat kummt ümmer dor op an, wie de Betoch to´n Glooben un de Kark in de Familien vörleevt ward.
Domols weer de Not een Lehrer; hüüt mööt wi den Verstand frogen, ob wi ohne Glooben, ohne Gott, utkomen köönt.
Veele junge Lüüd fehlt wohl eenfach de Tiet, um dor mol öwer notodinken.
Ehe und Familie Peter Wiggers
In allen Lebensinhalten und Lebensformen gibt es ganz von selbst einen Gesinnungswandel von Generation zu Generation. Betrachten wollen wir den Gesinnungswandel in der Familie, in der Ehe.
Bei unseren Großeltern und Urgroßeltern war es ganz normal, dass der Ehemann und Vater einen Beruf ausübte und das Geld für den Lebensunterhalt verdiente. Die Ehefrau und Mutter sorgte für den Haushalt, die Kindererziehung, für ein harmonisches und gemütliches Zuhause. Ob es immer gemütlich und harmonisch zuging, sei dahingestellt. Häufig war es auch der Fall, dass die Frau gar keinen Beruf erlernte, sie ging „in Stellung“, um die wichtigsten Dinge zur Führung eines Haushaltes zu erlernen. Für die Kinder war die Mutter die Bezugsperson. In der Ehe dominierte der Ehemann, er war es, der das Geld nach Hause brachte.
Die Beeinflussung des Familienlebens von außen durch die Medien war zu der Zeit unserer Groß- und Urgroßeltern minimal, viel mehr als die Tageszeitung gab es nicht. Das hat mit Sicherheit die Erziehung im Elternhaus, in der Schule und auch beim Konfirmandenunterricht wesentlich erleichtert. Kinder und Jugendliche hatten mehr Respekt (oder Angst?) vor Eltern, Lehrern, Pastoren, kurz, vor den Erwachsenen.
Wie war das Verhältnis zur Kirche? Ich denke, dass der sonntägliche Kirchgang in wesentlich mehr Familien zur Tagesordnung gehörte als es heute der Fall ist. Ich denke, auch der Glaube war stärker als heute, der Religionsunterricht war intensiver, meistens auch von den Pastoren gehalten. Auch hier wurde man nicht so abgelenkt durch Fernsehen, Rundfunk, Internet usw.
Und wie stand es mit dem Bestand der Ehen? Die Ehen waren jedenfalls beständiger als heute. Die Scheidungsgesetze waren anders als heute. Nach einer Trennung war die Frau größtenteils mittellos. Ich denke, die Angst vor Armut, vor der Häme der Mitmenschen hat viele Frauen davon abgehalten, sich zu trennen. Die Ehen waren haltbarer, aber auch glücklicher?
Die Alten wurden nicht in einem Heim untergebracht wenn sie pflegebedürftig waren; es gab kaum Heime, und wenn waren sie katastrophal. Aber war damit zu Hause eitel Sonnenschein? Vermutlich brachte die häusliche Pflege der Alten auch viele Probleme, viel Streit und Unfriede in die Familien. „Die gute alte Zeit.“
Und wie sieht es heute aus? Häufig ist der Vater nicht mehr Alleinverdiener, die Ehefrau und Mutter trägt zum Lebensunterhalt bei. Das bringt Veränderungen in das Familienleben. Die Mutter ist nicht mehr allein für Kinder, Haushalt usw. zuständig, es gibt eine „Gewaltenteilung“. Die Frau will gleichberechtigt sein, selbst mit Verantwortung tragen, mehr Eigenleben entwickeln, so wie es früher für den Ehemann selbstverständlich war. Die Ehefrau möchte sich im Beruf qualifizieren. Die Kinder sind häufig ein Hemmschuh in dieser Entwicklung, die Ehefrau und Mutter ist häufig einer Doppelbelastung ausgesetzt. Das ergibt Probleme, die häufig zur Trennung führen. Durch neue Gesetze ist die Scheidung nicht mehr so problematisch für die Frau.
Wie wirken sich die neuen Verhältnisse auf den Glauben, auf die Verbindung zur Kirche aus? Unser Drang nach aufregender Freizeitgestaltung, Spass und Abenteuer lenkt stark von den Glaubensdingen ab. Hinzu kommt Stress in Familie, Beruf und die Angst um den Arbeitsplatz. Die Beeinflussung durch die Medien zeigen ihre Wirkung. In vielen Serien wird eine heile Welt vorgegaukelt. Kirche und Glaube spielen kaum eine Rolle, der Mensch wird durch viele Dinge im Fernsehen verunsichert, er nimmt vieles für bare Münze, er weiß nicht mehr, was er glauben soll; er geht den bequemsten Weg – und darin hat Kirche und Glaube nur einen, wenn überhaupt, einen Platz an letzter Stelle.
Beruf und Arbeit Rudolf Siegesmund
Sie kennen doch alle den Ausdruck „Christliche Seefahrt“. Diese Bezeichnung wird heute in der Seefahrt nicht mehr gebraucht. Zur Zeit der Großsegler, die von einem Kontinent zum andern segelten, war es üblich, dass die Mannschaft vor dem Auslaufen in die Kirche ging um Gott zu bitten, dass ihnen kein Leid geschehe oder um einen guten Fang zu erreichen und eine gesunde Heimkehr. Bei Sturm beteten sie zu Gott, er möge ihnen ruhige See geben und bei Flaute Wind. Diese Seeleute waren mit Gott mehr verbunden als das heute leider der Fall ist.
Warum dieser Rückblick auf die Seefahrt? Ich bin in Hamburg aufgewachsen. Noch am Tag meiner Konfirmation musste ich am Nachmittag an Bord eines Schiffes, um als Messejunge die Lehre zu beginnen. Für die folgenden 11 Jahre waren Schiffe mein Zuhause. Während meiner Zeit auf See habe ich nie eine Andacht oder einen Gottesdienst an Bord erlebt. Die Nautiker verließen sich nur auf die moderne Technik und leider nicht mehr auf Gott. Die technische Ausrüstung spielt heute eine noch größere Rolle. Dass auch ein Radar bei Nebel ausfallen und zu einer Katastrophe führen kann ist bekannt. Man hört es immer wieder in den Nachrichten. Aus der alten Zeit der christlichen Seefahrt wäre zu lernen, dass der Bezug zu Gott nicht unwichtig ist.
Wer sich heute im Berufsleben zum Glauben und zum Christentum bekennt, wird oft belächelt oder ist ein Außenseiter. Ich habe das im Rettungsdienst nach meiner Zeit auf See erleben müssen. Mein Glaube gab mir die Kraft schwere Einsätze verarbeiten. Ich habe auch schon oft gedacht: Gott warum das Kind, warum die Frau? Diese Antwort kann nur Gott mir geben denn es ist sein Wille was auf erden geschieht. Meine Kollegen fragten mich nach Feierabend ob ich nicht auf ein Bier mitkäme. Auf diese Weise haben sie ihre Erlebnisse im Einsatz verarbeitet. Ich erinnere mich, wie einer sagt „Laß doch den Rudi, der geht beten“, und er lachte dabei. Sie konnten nicht verstehen, dass man sich durch ein Gebet Kraft und Trost für den Glauben an Gott holen kann.
Gesellschaft und Staat Pastor Alfred Sinns
„Gesinnungswandel“, „Glaube im Wandel“ – so die Überschrift unseres Gottesdienstes. Wenn der Glaube sich in Ehe und Familie, Beruf und Arbeit und auch innerhalb der Kirche gewandelt hat, dann wird das seine Auswirkungen haben auf Gesellschaft und Staat. Vorausgeschickt sei, daß der christliche Glaube noch immer den gleichen Inhalt hat, wie auch vor Jahrzehnten und Jahrhunderten. Doch heute ziehen manche Leute andere Schlüsse daraus. Richtschnur bleibt die Heilige Schrift. Sie will den Glauben formen, an ihr haben sich die Konsequenzen auszurichten.
Man spricht heute noch vom christlichen Abendland, doch Gesellschaft und Staat sind längst nicht mehr christlich. Zudem ist eine Trennung von Staat und Kirche vorgenommen worden. In der Vergangenheit gab es immer wieder eine unheilige Allianz zwischen Thron und Altar. Die Vermischung von Politik und Glaube birgt Gefahren. Wenn früher Kaiser und Könige sich als Beschützer der Christenheit verstanden, wollen heute die Regierenden neutral bleiben. Der Staat will weder mit Waffengewalt den Glauben verteidigen noch mit dem Schwert Andersgläubige bedrängen.
In Artikel 3 des Grundgesetzes ist zu lesen: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“. Der nächste Artikel geht auf die Glaubens-, Gewissens-, und Bekenntnisfreiheit ein: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“. Der 5.Artikel handelt von der Meinungsfreiheit. Über diese Freiheiten dürfen wir uns freuen; freuen auch darüber, daß wir in einem Staat leben, in dem Gläubige nicht verfolgt werden.
Staat und Gesellschaft haben sich derart gewandelt, daß einige Politiker nicht bereit sind den Eid mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“ zu bekräftigen. Doch warum in die Ferne schweifen. Auch viele Lokalpolitiker stehen nicht mehr zum christlichen Glauben. Die Partei, die das „C“ im Namen führt, müßte zu ihrem Ursprung zurückfinden.
Verdeckte Verfolgung des Christlichen gibt es in der Gesellschaft sehr wohl. In kommunistischen und islamischen Ländern werden Christen blutig verfolgt. In unserem Land wird der christliche Glaube lächerlich gemacht und die Bibel in den Dreck gezogen. Für mich ist das eine Art Verfolgung, wenn ein Nachbar über den anderen überheblich schmunzelt oder abfällige Bemerkungen macht, wenn der am Sonntag zur Kirche geht. Es wird gesellschaftlich nicht anerkannt wenn einer zu seinem christlichen Glauben steht. Wer die Bibel als Wort Gottes ernst nimmt wird als hinterwäldlerisch hingestellt. „Was, du betest? Du glaubst an das, was in der Bibel steht?“ – nicht jeder hält solchen Aussagen stand.
Vielleicht war die Gesellschaft in früheren Jahrhunderten nicht christlicher als unsere heute, aber es war eine Selbstverständlichkeit zum christlichen Glauben zu stehen. Könige und Kaiser hatten ein Gespür dafür, daß der christliche Glaube der Gesellschaft eine Stabilität verleiht, die sie nicht aus sich heraus hat und haben kann. Darum haben sie den Glauben verteidigt und das Christentum beschützt.
Unsere Gesellschaft und der Staat täten gut daran, sich auch ihrer christlichen Wurzel zu besinnen und nicht nur die griechische Antike zu bemühen, wie zB. in der europäischen Verfassung. Nicht nur Athen (Kultur) und Rom (Recht) haben unser Land und Europa geprägt, sondern auch Jerusalem (Glaube). Was den Glauben betrifft, braucht unsere Gesellschaft eine Erneuerung. Biblisch nennen wir das Buße.
Amen.
G e b e t
Herr, unser Gott, wir danken dir für diesen Gottesdienst. Wir haben am Anfang gesungen „Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein in dir“. Hab Dank, dass das die Kraftquelle in unserem Alltag ist, auch heute. Hab Dank, dass wir in dieser Gewißheit leben dürfen, du willst uns Stärke und Hoffnung sein in den Aufgaben im Alltag. Von diesem Glauben leben wir. So haben wir es auch in dem Lied von Manfred Siebald gesungen: „Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht. Sind wir ohne Gott macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht“. Ja, wir brauchen im Alltag die Nähe Gottes.
Wir danken für die Freiheit in unserem Land; danken, dass wir in einem Land der Demokratie leben dürfen. Danken, dass unser Grundgesetz als Grundlage die 10 Gebote hat.
Wir danken dir für unseren Bundespräsidenten Horst Köhler, der immer wieder unterstreicht, dass er und seine Familie in allen Aufgaben vom Glauben getragen ist.
Wir bitten für die Politiker, die getragen vom Glauben zum Wohle unseres Landes entscheiden und regieren möchten. Segne alle Verhandlungen zu einer tragfähigen Regierung in dieser Woche, dass einer den anderen achtet.
Wir danken für die Freiheit der Berichterstattung in den Medien. Für die Redakteure, Moderatoren, die vom Glauben leben, und denken dabei besonders an Peter Hahne.
Herr, wir wollen dich bitten mit den Liedversen (419):
Hilf, Herr meines Lebens, daß ich nicht vergebens,
daß ich nicht vergebens hier auf Erden bin.
Hilf, Herr meiner Tage, daß ich nicht zur Plage,
daß ich nicht zur Plage meinem Nächsten bin.
Hilf, Herr meiner Stunden, daß ich nicht gebunden,
daß ich nicht gebunden an mich selber bin.
Hilf, Herr meiner Seele, daß ich dort nicht fehle,
daß ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.
Hilf, Herr meines Lebens, daß ich nicht vergebens,
daß ich nicht vergebens hier auf Erden bin.
Guter Gott, alles ist einem Wandel unterworfen, alles vergeht, du aber bleibst. Du hast diese Welt durch dein Wort ins Dasein gerufen, du wirst ihr Bestand bei allem Wandel geben. Du willst und wirst die Welt verwandeln zu der herrlichen Schöpfung, die du gewollt hast.
Gott, wir bitten dich, dass du uns Ausdauer, Gelassenheit, Hoffnung, Zuversicht und Heilsgewißheit schenkst. Bei allem Wandel, dem wir unterliegen, laß uns im Glauben an dich einen festen Halt finden.
Wir bitten dich für unsere Kirche, dass sie jeder Generation den Glauben an die weitergibt.
Wir bitten dich für die Ehen und Familien. Behüte sie und segne sie.
Wir bitten dich für die Menschen in Arbeit und für die Arbeitslosen.
Wir beten für unsere Gesellschaft und für den Staat, für die Regierenden und die Bürger. Dein Geist präge sie alle.
Wir beten für die Kranken in unserer Gemeinde (namentlich nennen wir Peter Wiggers).
Laß sie Genesung und Heilung erfahren.
Wir beten für die Menschen im Erdbebebgebiet und für die Helfer.
Wir beten für uns alle im Namen Jesu Christi durch den heiligen Geist.
In der Stille nennen wir unsere persönlichen Anliegen.
V a t e r u n s e r . . .
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