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3. Sonntag nach Trinitatis   2.07.2006

Tauferinnerungsgottesdienst für den Jahrgang 1999

P r e d i g t                 Pastor Alfred Sinn

Eheschließung :  Carsten Björn Lück   &   Melanie Groppler

 

 

Liebe Gemeinde,

 

als das Brautpaar zum Gespräch erschien, hatten sie sich auch schon einen Spruch ausgesucht. Es sollte einer aus dem Buch der Sprüche sein.

Er lautet (Sprüche 3, 5-6) :

 

Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. 

 

Irgendwie erinnerte ich mich, daß dieser Spruch im Leben von Melanie schon mal eine Rolle spielte. Und in der Tat, Melanie hat ihn sich 1996 als Konfirmationsspruch gewünscht. Liebe Melanie, nun sind 10 Jahre vergangen, hat der Vers seither in deinem Leben eine Rolle gespielt? Du hast erlebt, wie Menschen zusammenkommen, wie sie miteinander auskommen oder auch nicht. Und du hast auch Verlassensein durchgemacht. Es ist im Leben längst nicht mehr so wie im Konfirmandenalter. Die sorglose Unbeschwertheit ist längst vorbei. Nun muß ein Haushalt geführt werden und zwei Kinder versorgt werden. Nun seid ihr beide auf der Seite, wo eure Eltern standen, als ihr Kinder und Konfirmanden wart. Ach, viel zu schnell vergeht die Kindheit und die Jugendzeit! Jene Zeiten bleiben einem in guter Erinnerung (vorausgesetzt natürlich man hatte eine normale Kindheit). Warum die liebe Erinnerung? Weil man sich aufgehoben wußte und geborgen. Man konnte und hat sich auf andere verlassen, meist waren das die Erwachsenen. Es wurde nicht alles über den Verstand gefiltert, man hat vieles als gegeben hingenommen. Die Welt war noch geheimnisvoll und voller Rätsel. Wieviel nüchterner doch die Erwachsenenwelt ist!

 

Nicht von ungefähr werden in der Bibel die Kinder den Erwachsenen als Beispiel hingestellt, wenn es darum geht, Vertrauen zu lernen. Nachher bei der Taufe werden wir hören, wie Jesus das Himmelreich in Aussicht stellt: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder werdet ihr nicht in das Reich Gottes kommen.

Liebes Brautpaar, auch mit eurem Trauspruch lädt euch die Bibel in den Stand der Gotteskindschaft ein.  Verlaß dich auf den Herrn und nicht auf den Verstand! Eigentlich solltet ihr als Mann und Frau in der Ehe das gut verstehen. Denn auch in der Liebe habt ihr euch nicht allein auf euren Verstand verlassen. Es ist gerade die Liebe, die den Verstand übersteigt.  Und worüber berichtet die Bibel? Über die Liebe Gottes zu uns! Und dann kommen die Menschen daher und sagen: Kann das sein? Kann das stimmen, was in der Bibel geschrieben steht? Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Und dann wird die Bibel in Bausch und Bogen abgelehnt. Wie schade! Denn damit wird der menschliche Verstand über Gottes Wort gesetzt. Dabei ist doch unser Verstand so begrenzt. Das zeigt sich gerade auch an der Liebe zwischen Menschen. Wir sagen ja auch nicht: Ich liebe dich mit dem ganzen Verstand, sondern: Ich liebe dich von ganzem Herzen.

Entsprechend sagt auch der Trauspruch: Verlaß dich auf den Herrn von ganzem Herzen. Setz deinen Verstand nicht absolut.  Liebes Brautpaar, wenn ihr zusammen in der Ehe lebt, gedenkt auf euren Wegen an den Herrn. Pflegt die Beziehung zu ihm, er wird euch recht führen.

Amen.

 

 

 

Anspiel: Der bittende Freund      Lukas 11, 5 – 10

 

Thomas: Tjark Thedens, Jakob: Jonas Sinn, Frau: Jeniffer Vogt

 

Thomas

Hör auf zu klopfen. Du weckst ja alle auf. Wer ist da überhaupt? Und Was ist denn los?

 

Jakob

Ich bin’s, Jakob. Ich habe gerade Besuch bekommen und wir haben nichts mehr im Haus zu essen und zu trinken. Es ist mir so unangenehm. Ich kann doch meine Gäste nicht einfach so sitzen lassen. Du weißt, die Gastfreundschaft geht bei uns über alles. Thomas, Du musst mir einfach helfen.

 

Thomas

Hast du eigentlich mal darüber nachgedacht, was du hier von mir forderst? Es ist tief in der Nacht. Ich kann dir jetzt nicht helfen, Jakob.

 

Jakob

Du musst, Thomas! Ich kann nicht ohne etwas kommen. Du bist doch mein Freund.

 

Thomas

Ja, ich bin dein Freund. Aber ich habe unser Haus schon verriegelt. Wenn ich jetzt hier aufmache, dann ist das ganze Haus wach. Meine Frau, meine Kinder und das Vieh auch noch. Unser Riegel hier im Haus macht so einen Krach, da wacht jeder auf. Und dann haben wir die ganze Nacht damit zu tun, die Kinder in den Schlaf zu bringen und das Vieh zu beruhigen. Nein, mein Lieber, bei aller Freundschaft, ich kann dir heute nicht helfen. Komm morgen wieder.

 

Jakob

Morgen früh ist aber zu spät. Die Gäste stehen jetzt vor der Tür. Sie hatten einen langen Weg und wenig zu Essen mit. Sie sind ausgehungert und durstig. Wir haben nicht damit gerechnet. Thomas. Nun gib mir doch etwas.

 

Thomas

Ich hab dir doch gesagt, dass das nicht geht. Ich will jetzt endlich meine Ruhe haben. Geh, Jakob und komm morgen wieder.

 

Jakob

Versetz dich doch mal in meine Lage, Thomas. Was würdest du tun, wenn du nichts im Haus hättest und plötzlich Gäste kämen?

 

Thomas

Ich habe immer was im Haus. Und nun lass mich endlich in Ruhe. Meine Frau wird schon langsam wach.

 

Jakob

Hast du denn gar kein Herz? Bin ich dir gleichgültig? Du bist mein Freund, Thomas und ich dachte immer ich wäre auch dein Freund? Aber dann musst du mir doch auch helfen!

 

 

 

Thomas

Natürlich bist du mein Freund, Jakob. Aber denk doch an die Familie. Wir haben morgen auch einen harten Tag. Und ich kann jetzt auch nicht gleich wieder einschlafen.

 

Jakob

Bitte, sieh doch meine Not. Hilf mir. Ich hab doch sonst hier keinen, der mir helfen könnte. Wenn du mir nicht hilfst, dann hilft mir keiner, Thomas.

 

Thomas

Meine Güte bist du hartnäckig. Ich bin es leid. Ich mache dir auf und du bekommst, was du willst.

 

Frauenstimme von hinten:

Was ist denn los?

Thomas

Es ist nur Jakob. Er braucht dringend etwas.

 

Frau

Und warum kommt er jetzt? Kann er nicht morgen kommen. Schick ihn weg.

 

Thomas

Das wollte ich ja, aber er lässt sich nicht abweisen. Ich mach ihm jetzt auf.

 

Frau

Muss das wirklich sein?

 

Thomas

Ja, das muss sein.

 

 

 

Mit lautem Geschepper wird die Tür geöffnet

Thomas

Was brauchst du?

 

Jakob

Brot, Wein, Käse und ein wenig getrocknetes Fleisch. Ich danke Dir, ich danke dir tausendmal. Gott segne euch alle.

 

 

 P r e d i g t  :    Bitten und Betteln    Pastor Alfred Sinn

 

Liebe Gemeinde,

 

Jesus hat gesagt: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, kommt ihr nicht in den Himmel. Nicht nur die Größe unterscheidet uns von den Kindern, sondern auch das Verhalten. Kinder sind in ihrem Sein nicht so sehr vom Verstand geleitet. Das macht es uns, den Erwachsenen, manchmal schwer, mit den Kindern umzugehen. Dann denken wir: ach würdet ihr doch mal überlegen, dann würdet ihr erkennen, daß dies und jenes nicht machbar ist.

Kinder sind Meister im Bitten und Betteln. Sie können sehr hartnäckig sein. Konsequent verfolgen sie das angestrebte Ziel.  Mitunter geben die Eltern entnervt nach, weil sie die ständige Quengelei nicht mehr ertragen. Es beginnt schon beim Säugling, der solange weint, bis er auf den Arm genommen wird, es setzt sich fort im Kindergartenalter und hört auch nicht auf im Schulalter. Ja, Kinder können hartnäckig sein. Können uns die Kinder in dieser Sache ein Vorbild sein? Jesus sagt: Ja. Gott wartet auf eure Bitten, er möchte von euch angebettelt werden. Er will euch Gutes geben. Das Bitten und Betteln soll Ausdruck sein für die Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott.

 

Hierfür hat Jesus die Geschichte vom bittenden Freund erzählt. So wie Freunde sich gegenseitig helfen, auch dann, wenn der andere zu ungünstiger Zeit stört, läßt auch Gott sich nicht lumpen, wenn wir vertrauensvoll zu ihm kommen.

 

Das Bitten des Freundes ist Ausdruck seines Vertrauens. Bei ihm hat sich eine Notsituation eingestellt. Allein kriegt er das Problem nicht gelöst. Doch wozu hat man Freunde? Der wird mir helfen, der muß mir helfen. Er läßt sich auch nicht abwimmeln von dem zögerlichen Verhalten seines Freundes. Er sieht die Not und weiß, ihm kann geholfen werden. Tatsächlich, sein Freund hilft ihm.

 

Jesus meint: wenn ihr euch gegenseitig helft, wie sollte Gott, euer Vater im Himmel, nicht bereit sein, euch aus der Patsche zu helfen. Er will euch Gutes geben, er will euch den heiligen Geist geben.  Das bedeutet nicht, daß Gott alle unsere Wünsche erfüllt, aber er hilft uns auf seine göttliche Weise. Eben das ist gemeint mit der Gabe des heiligen Geistes.  Auch Eltern erfüllen nicht alle Wünsche ihrer Kinder. Manches würde den Kindern sogar schaden, sie können die Tragweite nicht überblicken. So geht auch Gott mit uns um. Da er den besseren Überblick hat, gibt er uns das, was uns weiterhilft, und zwar nicht nur für den Moment, sondern langfristig und für die Ewigkeit.

Wichtig ist, daß wir in Verbindung bleiben mit dem himmlischen Vater.

 

Liebe Taufjubilare als ihr vor 7 Jahren getauft wurdet, hat Gott mit euch einen Bund geschlossen, einen Bund für den Himmel. Ihr seid dazu bestimmt, daß ihr ihn mal sehen sollt. Bis es soweit ist, erwartet er von euch, daß ihr seine Gemeinschaft sucht. Das geschieht vor allem im Gebet.

Jesus hat gesagt: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.  Kommt dieser Aufforderung Jesu nach!  Und ihr, die Eltern, helft euren Kindern dabei!  Ihr seid bereit, euren Kindern gute Gaben zu geben. Eine gute Gabe ist, wenn ihr sie christlich erzieht.

Amen.