7. Sonntag nach Trinitatis 30.07.2006
mit Heiligem Abendmahl und Taufe
Predigt : Pastor Alfred Sinn
Philipper 2, 1 – 4
1 Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit,
2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, daß ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.
3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst,
4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.
Liebe Gemeinde,
beschreibt der Apostel Paulus ein Ideal oder ist das auch in der Realität zu schaffen? Manch einer könnte bei diesen Vorgaben verzweifeln und sagen: Das schaffen wir sowieso nicht. Also lassen wir’s sein. Auf der anderen Seite bleiben diese Vorgaben erstrebenswert. Das könnte sich lohnen. Solche Gemeinschaft wäre gut. Daß alle am gleichen Strang und in dieselbe Richtung ziehen, das wäre prima. Doch, wie kriegen wir das bloß hin?
Der Apostel beschreibt die Gemeinde als einen Ort mit Zuhause, ein Zusammenleben von Menschen mit Verwurzelung, eine Gemeinschaft, die trägt. Die Wurzeln dieser Gemeinschaft liegen in Gott und seinem Wort; oder anders ausgedrückt: in Gott als Vater, Sohn und heiligem Geist. Zu Vater gehört – im 1.Vers – Liebe und Barmherzigkeit, zum Sohn Ermahnung in Christus und der Geist schafft die Gemeinschaft.
„Seid eines Sinnes; seid einträchtig!“ Auf dem Hintergrund dieser Verwurzelung ist die Einigkeit nicht eine Sache des Willens, sondern des Glaubens.
Unabhängig vom Glauben sitzt die Sehnsucht nach Eintracht beim Menschen tief. Das zeigt sich zB auch daran, daß Sportvereine sich den Namen „Eintracht“ zulegen. Gesangvereine geben mit dem Namen „Eintracht“ oder „Harmonie“ an, was sie mit dieser Gemeinschaft bezwecken. Es gibt auch eine Versicherung, die so heißt, allerdings auf Latein (Concordia).
„Tut nichts aus Eigennutz“, schreibt der Apostel. Wer eine Versicherung abschließt, tut das natürlich aus Eigeninteresse. Zugleich aber hilft er damit anderen wenn sie in Not geraten. Auf dieser Basis kann sogar der ironisch gemeinte Satz wahr werden „Wenn jeder für sich selbst sorgt, dann ist für alle gesorgt“.
Eines Sinnes sein, einträchtig, auf das sehen, was dem andern dient – der Apostel erinnert die Gemeinde daran, daß Glaube nicht Privatsache ist. Glaube ist so etwas wie Versicherung, wobei Gott die Sicherheit bietet. Wir alle glauben an den einen Gott, also sind wir auch einander zugewiesen. Indem aufeinander Rücksicht genommen wird,
findet einer beim andern Absicherung. Der Glaube will nicht nur den Bereich privat-frommer Innerlichkeit bestimmen, sondern auch die äußeren Bezüge gestalten. Es wird nicht ein fremdes Gesetz zugemutet, sondern das, was Gemeinde immer schon von ihrem Wesen her ausmacht: Ermahnung in Christus, Trost der Liebe, Gemeinschaft des Geistes.
Philipp Jacob Spener (1635 – 1705), der Vater des Pietismus, erinnert auch daran, wenn er schreibt: „Also haben wir uns ja fleißig zu prüfen, so lieb uns unsere Seligkeit ist, daß wir nicht aufs Geratewohl dahinleben. Wir sind ja im Zeitlichen und Leiblichen nicht so sorglos, sondern wo uns etwas Großes vor Augen stehet, daran uns unser Glück gelegen ist … trachten wir danach, uns dessen gewiß zu machen… Ein äußerlich ehrbares Leben sucht eigene Ehre, wenn auch nicht gegen die allgemeine Gerechtigkeit und nicht zum Schaden anderer. Die Wiedergeburt richtet sich nach Gottes Ordnung, sie stellt sich der Welt nicht gleich und nimmt dafür Schaden und Verachtung in Kauf… Es gehört aber zu einem gottseligen Wandel, wo er solle ein Kennzeichen der wahren Wiedergeburt sein, daß ein solcher Mensch das Gute tue, gleichsam von innen und also von Herzen, daß obwohl er fühlt, daß das Fleisch keine Lust dazu habe, gleichwohl auch etwas anderes in seinem Herzen sei, das ihn dazu antreibt, nämlich der Trieb des guten Geistes und dessen Wirkung in ihm.“
Freilich, es ist nicht zu übersehen, daß es auch in einer christlichen Gemeinde Streit und Auseinandersetzung gibt. Für manche wird das zu einer Anfechtung, da die Erwartung besteht, daß hier heile Welt vorherrscht. Nun aber darf nicht vergessen werden, daß auch die Gemeinde aus Menschen besteht, die verschiedene Charaktere haben, die unterschiedlich geprägt sind, Menschen, die auch ihre Eitelkeiten pflegen und nicht über ihren Schatten springen können. Auseinandersetzungen müssen nicht gleich negativ bewertet werden. Wichtig aber ist, daß der gegenseitige Respekt erhalten bleibt, in der Sprache des Paulus „herzliche Liebe und Barmherzigkeit“. Es geht nicht darum, Konflikte unter den Teppich zu kehren; aber es geht darum, daß die Orientierung an Jesus erkennbar bleibt.
Auch sonst erweisen sich gute Freunde im Leben dadurch, daß sie uns an kritischen Punkten unseres Lebens ermahnen. Sie sagen auch unbequeme Wahrheiten, aber so, daß wir die persönliche Verbundenheit fühlen.
Wieviel mehr sollte es in der Gemeinde Christi um die Wahrheit und um die Liebe gehen! Es soll spürbar sein, daß der Mensch Gemeinschaft hat mit dem Grund seiner Existenz: das ist der dreieinige Gott. Wahrheit und Liebe - beide hat Jesus für sich in Anspruch genommen. Bleibt in der Wahrheit, bleibt in meiner Liebe! Aus dieser Verbundenheit heraus sollte der Umgang miteinander in Liebe, Barmherzigkeit und Demut möglich sein. Daß man sich selber darum bemüht, wird nicht ausbleiben können.
Zum Abschluß wollen wir noch einmal das Wort aus dem Philipperbrief hören, allerdings in einer anderen Übersetzung (Hoffnung für alle):
1 Helft und ermutigt ihr euch als Christen gegenseitig? Seid ihr zu liebevollem Trost bereit? Spürt man bei euch etwas von der Gemeinschaft, die der Heilige Geist schafft? Verbindet euch herzliche und mitfühlende Liebe? 2 Darüber würde ich mich sehr freuen. Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr die gleiche Gesinnung habt, in der einen Liebe miteinander verbunden bleibt und fest zusammenhaltet. 3 Weder Neid noch blinder Ehrgeiz sollen euer Handeln bestimmen. Im Gegenteil, denkt von euch selbst gering, und achtet den anderen mehr als euch selbst. 4 Denkt nicht immer zuerst an euch, sondern kümmert und sorgt euch auch um die anderen.
Amen.
T a u f e
Lasse Claußen, Dückerswisch
Eltern: Stefan Claußen und Bianca Jablonski
Paten: Sven Claußen, Sarzbüttel; Zwen Jablonski, Marne
Taufspruch: Psalm 91,11 – 12
Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.
Liebe Eltern,
„auf den Händen tragen“, das ist ein Stichwort, das euch begleitet, seit ihr euren Sohn habt. Nun ist er schon so groß, daß das Krabbeln immer mehr wird und noch mal ein Jahr weiter wird er mit dem Laufen nicht zu bremsen sein. Doch auch dann wird es ihm wichtig sein, auf den Arm genommen zu werden.
Ein Kind, wenn es geboren ist, kann nur so von einem Ort zum anderen gelangen, wenn es auf den Händen getragen wird. Das tut man ja auch gerne, der kleine Mensch wird liebevoll auf den Arm genommen, in den Händen hin und her gewiegt, und das läßt er sich auch gerne gefallen. Welcher Art die Gedanken bei einem solchen Kind sind, wissen wir nicht. Es kann sein, daß das Kind sich vorkommt, als würde es von Engeln getragen.
Liebe Eltern, ihr seid zur Zeit die passenden Engel für euer Kind und Lasse ist für euch auch ein Engel. Nicht nur tragt ihr euer Kind auf den Händen, sondern ihr seid auch bemüht es zu behüten und davor zu bewahren, daß es sich stößt.
Wenn Lasse sich mal beim Laufen weh tun wird, dann will er erst recht auf den Arm genommen werden. Ach wie tut es doch gut, wenn man dann tröstende Hände findet! So erfährt das Kind Geborgenheit und lernt Vertrauen haben. Eine wichtige Voraussetzung um im Leben und mit dem Leben zurechtzukommen.
Aber ihr werdet nicht immer um euer Kind sein können. Es muß auch seine eigenen Wege gehen; ich werdet auch lernen müssen, es gehen zu lassen. Dann aber wollt ihr erst recht, daß es behütet bleibt. Mit der Taufe am heutigen Tag vertraut ihr euer Kind seinem Schöpfer und Heiland an. Er hat Möglichkeiten, wo ihr keine mehr habt. Eine davon ist, daß ihm Kräfte dienen, die er seinen Menschenkindern zur Seite gestellt hat – die Engel.
Die Engel werden Lasse nicht vor allem bewahren. Er wird nicht nur seinen Fuß an einen Stein stoßen, sondern auch mal mit dem Kopf an die Wand rennen. Doch auch solches soll ihm helfen, reif zu werden. Gott läßt uns auch mal auflaufen, damit wir aufwachen. Doch er will uns nicht zu Grunde gehen lassen.
Die Heilige Taufe ist ein Schutz, nicht so sehr gegen die Widrigkeiten dieses Lebens, sondern ein Schutz vor dem ewigen Tod und ein Mittel gegen die Sünde.
Die Engel werden sich freuen, wenn Lasse das, was in der Taufe im zugesagt wird, im Glauben annimmt und danach lebt.
Amen.
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