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6. Sonntag nach Trinitatis    23.07.2006

Predigt :  Pastor Alfred Sinn

 

Liebe Gemeinde, liebe Tauffamilie,

 

es ist Urlaubszeit, viele Menschen sind unterwegs, sie wollen sich erholen und Kraft tanken. Neue Eindrücke bringen neue Anregungen mit sich. Es tut gut, aus dem alten Trott mal raus zu kommen. Ein Hauch von Freiheit macht sich in den Ferien breit.  Doch passiert es auch, daß mancher, fern von zu Hause, zur Erkenntnis kommt: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Glück zu Hause zu finden ist? Es ist mitunter hilfreich, das, was man hat, aus der Ferne betrachten zu können. Dann lernt man es wieder zu schätzen.

 

Nicht wenige Menschen verknüpfen mit der Urlaubszeit hohe Erwartungen. Manch einer begibt sich auf die Suche: nach Erfüllung, nach dem Glück, nach sich selbst.

Die äußere Reise kann Ausdruck für die innere sein, auf der man sich befindet.  Die äußere Suche ein Hinweis für die innere, in der man sich befindet.

 

Suchen und finden – das sind auch Themen der Bibel. Wer sucht, macht sich auf.  Manch einer findet, indem er auf Abstand geht. Auch von solchen Erfahrungen berichtet die Bibel.  In diese Reihe ist der Kämmerer aus Äthiopien einzuordnen: 

 

Apostelgeschichte 8, 26 – 40

 

26 Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.

27 Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.

28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.

29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!

30 Da lief Philippus hin und hörte, daß er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?

31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.

32 Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8): »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.

33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«

34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem?

35 Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.

36 Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, daß ich mich taufen lasse?

38 Und er ließ den Wagen halten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.

39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.

40 Philippus aber fand sich in Aschdod wieder und zog umher und predigte in allen Städten das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.

 

Aus der gehörten Lesung wollen wir einige Aspekte herausgreifen. Dieser Mensch befand sich auf einer inneren Reise. Er war ein Suchender, einer der nach Religion fragte. Ihn beschäftigte die Glaubensfrage. Glaubensfragen sind immer Existenzfragen. Vielleicht hat seine Religion keine zufriedenstellenden Antworten gegeben. Vielleicht wollte er erfahren, was andere Religionen sagen. Jedenfalls hat er sich nach Jerusalem aufgemacht. Dort hofft er Antworten auf seine Fragen zu bekommen.  So wird der innere Weg zu einem äußeren.  Das kann ein Hinweis dafür sein, daß man nur zu sich finden kann, wenn man hinausgeht, wenn man sich aufmacht und außerhalb seiner selbst sucht.

 

Nun befindet sich der Kämmerer auf dem Heimweg. Er ist noch immer auf der Suche. Das zeigt die Schriftrolle, die er sich gekauft hat und aus der er liest. Doch allein kommt er nicht weiter. Er braucht Hilfe. Hier greift Gott ein. Der Engel des Herrn gibt dem Philippus den Auftrag, auf jene Straße sich zu begeben, die nach Gaza führt. Die Straße wird als öde bezeichnet. So wie die Straße öde ist, ist auch die Verfassung des Kämmerers. In ihm ist es öde und leer. Seine Suche ist noch nicht erfüllt. Doch wie sagt Gott durch den Propheten: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“ (Jer 29,13-14).

 

Philippus kommt ins Gespräch mit dem Kämmerer. Dieser liest aus einer Rolle des Propheten Jesaja die Stelle, die von dem Schaf handelt, das zur Schlachtung geführt wird. Doch er versteht den Inhalt nicht. Philippus legt die Stelle aus. Er macht deutlich, daß diese Prophezeiung in Jesus seine Erfüllung gefunden hat. Er ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.  Nun versteht der Kämmerer. Seine Glaubensfragen sind beantwortet.  Er hat gefunden. Daß es gerade diese Jesajastelle ist, die ihm weiter hilft, zeigt, daß er sich mit ähnlichen Fragen beschäftigt hat wie Luther: Wie kriege ich einen gnädigen Gott?  Das Wort Gottes gibt die Antwort hierbei.

 

„Dich hat ein Engel geschickt“, sagen wir, wenn jemand uns bei einem Problem geholfen hat. Philippus wurde in der Tat vom Engel geschickt. Philippus wußte nicht, was er auf der öden Straße soll. Doch er folgte der Aufforderung. Daran erkennen wir, daß es auch für einen Prediger wichtig ist, dem Auftrag Folge zu leisten. Der Geist sprach: Halte dich zu diesem Wagen. In diesem Moment wird die Aufgabe konkret. Philippus hat sie angenommen.

 

Der Kämmerer hat schnell begriffen, was zum Christsein dazu gehört, nämlich Taufe und Glaube, bzw Glaube und Taufe. Er äußert den Wunsch, getauft zu werden. Bin ich würdig? Gibt es einen Hinderungsgrund? Nein, es gibt keinen. Glaubst du? Ja, ich glaube, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist. Philippus tauft ihn. In Christus hat der Kämmerer den gnädigen Gott gefunden. Der Sohn Gottes ist die Antwort auf die Existenzfragen.

 

Nun ist der Kämmerer nicht mehr leer. Es heißt: „Er zog aber seine Straße fröhlich“.   Die öde Straße wird nun zu einer fröhlichen. Der Kämmerer muß nicht mehr suchen, denn er wurde gefunden.

 

Liebe Gemeinde, der 6. Sonntag nach Trinitatis ist ein Tauferinnerungssonntag.  Liebe Leute, laßt euch daran erinnern, daß ihr Gefundene und Erwählte seid. Mit euch hat Gott einen Gnadenbund geschlossen. Mit der Taufe seid ihr auf den Weg gestellt. Indem ihr glaubt, bleibt ihr dran.

 

Liebe Getauften, diese Straße führt uns zum Ziel, nämlich in das Reich Gottes. Darum dürfen wir fröhlich sein, denn hier herrscht Frieden und Freude.

Amen.

 

 

T a u f e

 

Megan Paulsen, Eggstedt

 

Eltern: Boje Torben  und Kim Yvonne Paulsen

Paten: Heiko Timmermann, Eggstedt  und Swantje Franken, Wöhrden

 

Taufspruch: Psalm 91,11

 

Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen. 

 

Liebe Eltern,

 

am   13.11.2005  hat sich euer Leben radikal verändert.  Megan hat euch zu einer Familie gemacht.  Aus der Beziehung von Mann und Frau ist neues Leben hervorgegangen. Gott läßt euch teilhaben an seinem fortwährenden Schaffen.  Mit Megan sah das Leben auf einmal ganz anders aus.  Ihr lerntet Aspekte des Lebens schätzen, die vorher keine große Rolle oder überhaupt keine Rolle gespielt haben.

 

Hattet ihr nicht den Eindruck, daß mit Megan ein Engel in euer Leben getreten ist? Ich kann mir vorstellen, daß ihr euer Kind liebkosend „mein Engelchen“ nennt.

Rudolf Otto Wiemer hat ein Gedicht geschrieben, das mit den Worten beginnt „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise und müssen nicht schrein“.  Euer Kind hat keine Flügel, aber es beflügelt euch, es hat Kräfte in euch freigesetzt, die ihr vorher gar nicht hattet.

Euer Kind ist ein Engel der schon mal schreit und keineswegs leise ist. Aber das gehört zu dieser Art Engel dazu.

 

Von den Engeln erwartet man Beistand und Hilfe. Doch dieses Menschenwesen braucht selber Hilfe, allein könnte es nicht bestehen. Ihr seid bereit, eurem Kind jegliche Hilfe zuteil werden zu lassen.

Doch ihr ahnt auch, daß ihr an eure Grenzen kommt. Ihr werdet euer Kind nicht immer und überall behüten können. Ihr müßt es auch loslassen, es muß selber Erfahrungen sammeln im Leben. Megan wird daraus lernen.   

 

Ihr möchtet, daß euer Kind einen weiteren Schutz hat. Ihr stellt heute euer Kind unter Gottes Schutz. Und damit handelt ihr recht.  Gott hat uns in der Tat seine Engel zur Seite gestellt. Nach dem Hebräerbrief sind sie dienstbare Geister an denen, die das Heil ererben sollen.

 

Mit der Taufe geht es tatsächlich um das Heil. Das Heil aber – das ist die Rettung – ist gegeben in Jesus Christus, den wir auch Heiland nennen. Die Engel handeln nicht um der eigenen Ehre willen, sondern zur Ehre Gottes.

 

Liebe Eltern und Paten, wenn Megan den Heiland Jesus im Glauben annimmt, dann werden sich auch die Engel darüber freuen. Dann handelt sie im Sinne der Taufe. Helft ihr eurem Kind, daß es diesen Schritt gerne tut und auch – wie der Kämmerer – fröhlich die Straße zieht, bis sie mal ankommt in der Ewigkeit, zu der Gott uns bestimmt hat.

 

Und wenn sie das tut, kann sie selber in ihrem Leben zu einem Engel für andere werden.

Glaube und Liebe, sie gehören zum Christenstand dazu.

Amen.