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T r i n i t a t i s    11.06.2006

In diesem Gottesdienst erfolgte die Vorstellung des neuen Konfirmandenjahrgangs, 42 Konfirmanden, die den Unterricht in zwei Gruppen besuchen.

Die Konfirmanden haben sich selber mit Namen und Wohnort vorgestellt und eine Aussage gemacht zu dem Satz "Mein Ziel für den Konfirmandenunterricht", "Was ich vom Konfirmandenunterricht erwarte".

Thema des Gottesdienstes: "Auf Sieg aus".

 

 

P r e d i g t :   Auf Sieg aus           Pastor Alfred Sinn

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden,

 

vor zwei Tagen hat ein Ereignis begonnen, daß die Welt bewegt – zumindest für die nächsten vier Wochen. Die Fußballweltmeisterschaft hat Tausende, ja Millionen von Menschen in Bewegung gesetzt. Man kann dieses Ereignis als schönste Nebensache der Welt abtun, oder sich von der Begeisterung anstecken lassen. Ich muß bekennen, daß ich mir Spiele der Weltmeisterschaft und Europameisterschaft gerne ansehe. Freilich bleibt Fußball eine Nebensache, es gibt schließlich wichtigere Dinge im Leben. Doch wir Menschen brauchen auch Nebensachen, wie: Fußball, Musik, Theater, Kunst, Spiel. Sie bereichern das Leben. Sie erinnern daran, daß der Mensch nicht nur für die Arbeit da ist, nicht nur um Pflichten zu erfüllen, sondern ihm ist diese Welt und was sie bietet auch zum Genießen gegeben.

 

Daß der Mensch nicht allein vom Brot lebt, wußten auch die Römer. Deswegen haben die Herrschenden dafür gesorgt, daß das Volk sich an Spielen amüsieren konnte. Panem et circensem, Brot und Spiele – damit konnte das Volk im Zaum gehalten werden, die Gefahr von Aufständen wurde dadurch geringer.  

 

Wie aktuell doch diese Einstellung auch heute ist!  Nicht wenige begnügen sich mit Sattsein und Spaß haben. Von einer party zur anderen, das würde auch euch, den Konfirmanden, gut gefallen. Dazwischen freilich immer wieder essen, wobei Mama für die Zubereitung der Mahlzeit zuständig sein sollte. Das wäre doch ein herrliches Leben! Doch das Leben ist mehr als nur Brot und Zirkus. Wer sich in den Nebensächlichkeiten verliert, muß daran erinnert werden, daß das Leben noch andere Dimensionen hat. Nicht alle, aber mancher der Profispieler der schönsten Nebensache der Welt hat das begriffen. Es ist erstaunlich, daß gerade unter den brasilianischen Spielern viele gläubige Männer zu finden sind. Und sie bekennen ihren Glauben auch im Stadion.

Zé Roberto berichtet: »Eines Tages erzählte meine Mutter von einer Begegnung mit Gott. Sie sprach von Gottes Liebe zu uns, und daß wir jetzt alle auf Jesus vertrauen sollten. Also fing ich eines Tages einfach damit an, in der Bibel zu lesen - ich hatte ja vorher nie gemerkt, wie spannend das war! Ich habe darin entdeckt, daß Gott nicht nur unser Vater sein will - ich hatte ja keinen, weil unser Vater uns verlassen hatte -, sondern daß er etwas Besonderes mit meinem Leben vorhat. So habe ich also angefangen, mit Gott zu reden. Nicht nur, wenn es mir schlecht ging, sondern auch in guten Zeiten, um ihm für so viel Schönes zu danken.«

 

Liebe Konfirmanden, ist euch schon aufgefallen, daß es Ähnlichkeiten gibt zwischen einem Fußballspiel und einem Gottesdienst? Doch, doch, man kann beide gut miteinander vergleichen. Die Spiele der Weltmeisterschaft haben Kultcharakter, sie kommen im religiösen Gewand daher. Die Sehnsucht des Menschen nach Ritualen findet auch im Stadion Erfüllung.

 

Nun, vergleichen wir mal den Gottesdienst mit einem Fußballspiel. So wie ein Gottesdienst mit einem Orgelvorspiel beginnt, wird auch die Fußballgemeinde mit Musik zu dem Ereignis eingestimmt.  Die Gläubigen betreten einen heiligen Raum, die Fußballer betreten den heiligen Rasen.

In der katholischen Kirche hat sich die Sitte des Einzugs erhalten: der Priester zieht, zusammen mit den Diakonen und Ministranten, ein. Ähnlich auch im Fußballstadion:

 

die Aktiven betreten die Bühne, sie begrüßen ihre Gemeinde durch Handzeichen. Die Fans klatschen und singen ihnen zu. In der Kirche singt der Liturg: Der Herr sei mit euch. Die Gemeinde antwortet: Und mit deinem Geist.  In der Kirche singen wir einen Hymnus, das ist ein Gesang zum Lob Gottes.  Im Stadion wird eine Hymne gesungen.  Und wenn das Spiel läuft, schallt es gewaltig von den Zuschauerplätzen. Die Fangemeinde ist im Laufe des Spiels nicht sparsam mit Wechselgesängen. Menschen werden regelrecht mitgerissen von der Euphorie, die sich breit macht. Doch auch Betroffenheit und Niedergeschlagenheit kommen vor -  zumal dann, wenn die eigene Mannschaft verliert.  Die Szenen, die sich abspielen, sind herzzerreißend.

Die Sieger dagegen laufen zu den Zuschauern hin. Der Sieg verbindet die Spieler und die Fans noch mehr. Es ist als würden die beiden zu einer Einheit verschmelzen. Die Sieger heben die Arme, es ist als würden sie ihre Fans segnen und so in den Alltag entlassen.

 

Als Christengemeinde könnten wir von diesem Sport sogar lernen. Hat nicht auch Jesus Beispiele aus der Welt genannt, um auf die Ernsthaftigkeit in Glaubenssachen hinzuweisen?

 

Die Fans stehen zu ihrer Mannschaft und zwar nicht nur im Stadion, sondern auch im Alltag.  Wie sieht es mit dem Christsein aus? Gilt der Glaube nur für den Sonntag? Habe ich nicht viel mehr die Gelegenheit, ihn auch im Alltag zu bezeugen?

Fußball ist ein Mannschaftssport. Jeder Spieler für sich mag zwar gut sein, doch wenn er beim Spiel nur an sich denkt, wird die Mannschaft keinen Sieg erringen können. Das Team kann nur bestehen bleiben und Erfolg haben, wenn jeder sich einbringt.

Auch der Glaube ist eine Mannschaftssache. Unser Glaube hat nicht nur eine private Seite, sondern ist auf Gemeinschaft angelegt.

 

Im Fußball übernehmen die Spieler bestimmte Aufgaben. Die Rollen sind verteilt, jeder trägt dazu bei, daß das Ganze funktioniert. So hat es sich Gott auch für die Gemeinde gedacht. In der Bibel finden wir hierzu das Bild vom menschlichen Körper (wir haben das aus der Lesung gehört). Die einzelnen Glieder haben ihre Aufgabe und sind aufeinander angewiesen. Jedes Glied trägt zum Erhalt des Ganzen bei.

 

Wenn in der Mannschaft bei einem die Kraft nachläßt, gleichen die andern das aus. Ein Verletzter wird ausgewechselt und auf diese Weise geschont.  Der Arzt, der Sanitäter, der Masseur, alle nehmen sich des Verletzten an. Auch in der christlichen Gemeinde kommt es zu Kräfteverschleiß, zu Verletzungen. Dann sind die anderen gefordert, den Geschwächten aufzufangen und durchzutragen. Seelsorge, Beichte, Sündenvergebung sind Hilfen, die den Glauben festigen.

 

Beim Sport müssen Spielregeln eingehalten werden. Ohne Regeln kann gar nicht gespielt werden. Auch im Leben – und erst recht im Zusammenleben – geht es nicht ohne Regeln. Zu Beginn des Unterrichtsjahrs haben wir Regeln festgehalten. Sie sollen helfen, daß wir es miteinander aushalten, sie sollen helfen, daß was gelernt werden kann.

 

Auch was das Glaubensleben betrifft gibt es Regeln. Gott hat uns die 10 Gebote gegeben, aber auch Anweisungen und Ermahnungen. Wir dürfen sie nicht in erster Reihe als Einschränkung sehen, sondern als Hilfe. Z.B.: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem“ (Röm. 12,17), „Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern“ (Eph. 4,32), „Seid beharrlich im Gebet“ (Kol. 4,2), „Niemand übervorteile seinen Bruder im Handel“ (1.Thess. 4,6) usw.

 

 

Die Fußballregeln sind gemacht für die angeblich schönste Nebensache der Welt, Gottes Regeln sind gemacht für die schönste Hauptsache der Welt — das Leben. Das Leben soll in seiner Ganzheit gelingen. Das Leben soll gewonnen werden für die Ewigkeit.

 

Wenn beim Fußball gegen Regeln verstoßen wird, gibt es eine Strafe. Die Gelbe Karte zeigt eine Verwarnung an, die Rote Karte führt zum sofortigen Platzverweis.

Auch im Leben kommt es vor, daß wir fouls begehen. Jedem von uns unterlaufen sie. Wie geht Gott mit unseren fouls um?  Jeder kriegt eine nächste Chance.

Gott urteilt nicht nach menschlichen Regeln.  In Psalm 103 steht geschrieben: „Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten".

Der Schiedsrichter fällt sein Urteil sofort und ohne Verhandlung. Gott hat das Gericht seinem Sohn übergeben. Die Verhandlung steht noch aus; doch jeder, der an den Sohn glaubt, kann jetzt schon gewiß sein, daß er frei ausgehen wird. Jesus, der Sohn Gottes, trägt unsere fouls.

 

Das Fußballspiel dauert 90 Minuten. Manchmal gibt es eine Verlängerung. Spätestens dann steht das Ergebnis fest. Für das Leben gibt es keine Verlängerung und keine Wiederholung. Und dennoch bedeutet der Schlußpfiff nicht das endgültige Aus. Das Grab ist nicht das Ende des Lebens. Es folgt eine Fortsetzung in einer ganz anderen Dimension.

 

Beim Fußballspiel haben die Mannschaften das Ziel, das Spiel zu gewinnen.  Auch als Christen haben wir ein Ziel, nämlich in den Himmel zu kommen, den Sieg des Lebens zu erringen. Der ist uns gegeben in Christus. Er ist der Sieger über Sünde, Tod und Teufel. Er hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ (Joh.14,19).

 

Die siegende Mannschaft versetzt viele Menschen in Siegestaumel. Große Freude wird herrschen, wenn wir am Ziel unseres Lebens ankommen werden. Der Herr spricht: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen“ (Joh.16,22).  Bis dahin aber bleibt das Leben auch ein Kampf. Paulus schreibt an Timotheus: „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist (Tim 6,12).

 

Liebe Konfirmanden, auch euch gilt diese Aufforderung. Ihr seid durch die Taufe zum ewigen Leben berufen. Ergreift im Glauben dieses Angebot. Es kommt nun auf euren Einsatz an. In diesem Jahr sollt ihr lernen, daß solcher Einsatz großen Lohn hat.

 

Ohne Ball kann man keinen Fußball spielen. Ohne Gott kann man das Spiel des Lebens nicht treiben. „Ein Leben ohne Gott ist wie Fußball ohne Ball“, hat ein Fußballspieler gesagt.

 

Liebe Konfirmanden, seid solche Leute, die ein Leben mit Gott führen!

Amen.