Für eine korrekte Anzeige der Inhalte dieser Website muss die JavaScript Funktion aktiviert werden.

1. Sonntag nach Trinitatis   18.06.2006

P r e d i g t                 Pastor Alfred Sinn

Jeremia  23, 16 – 29

   16 So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN.

17 Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen -, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen.

18 Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, daß er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört?

19 Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen.

20 Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen.

21 Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie.

22 Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren.

23 Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?

24 Meinst du, daß sich jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der HERR.

25 Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt.

26 Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen

27 und wollen, daß mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, wie auch ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal?

28 Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR.

29 Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

 

 

Liebe Gemeinde,

 

ob man will oder nicht, bildhafte Werbung bleibt im Gedächtnis haften. Das wissen die Werbefachleute und darum lassen sie für ihre Produkte zur besten Sendezeiten werben. Es wird vorgegangen nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“. In der Tat, die ständige Wiederholung wird im Gehirn gespeichert.

Als ich über dieses Prophetenwort nachdachte, blieb ich am letzten Vers hängen.

„Ein Hammer, der Felsen zerschmeißt“. Eine ungeheure Kraft muß einwirken, um das zu 

erreichen. Im Gedächtnis tauchte ein Bild aus der Werbung auf (ich weiß nicht, ob mir alle Einzelheiten in Erinnerung geblieben sind) :  In einer eisigen Landschaft ist ein Mann, in Pelz gehüllt, unterwegs. Plötzlich beginnt das Eis zu krachen. Risse bilden sich, überall knackt es. Die Kraft konzentriert sich auf einen Punkt. Dort hebt sich das Eis und splittert auseinander. Ein Flaschenhals kommt zum Vorschein, danach die ganze Flasche. Es ist die Werbung für den Wodka Gorbatschow. Der Mann im Pelz trinkt davon. Die Flüssigkeit wärmt ihn und gibt ihm neue Kraft. Die Botschaft der Werbung ist: solch ein Tropfen bringt dich in Gang.  In der Tat: dieses Getränk wärmt nicht nur, sondern ist wie Feuer. Nicht umsonst nennen die Indianer es Feuerwasser.

 

Nun zurück zu unserem Bibelabschnitt. Gott sagt: mein Wort ist wie ein Feuer, wie ein Hammer. Das sind sehr ausdrucksstarke Bilder. Verzeihung, wenn nun folgender Vergleich gemacht wird: wie der Schnaps den frierenden Menschen von innen wärmt, kann - nein, will - auch das Wort Gottes im Menschen eine Wärme entfachen, die den Menschen am Leben erhält.

Pfingsten liegt noch nicht lange zurück. An diesem Feiertag geht es um solch ein feuriges Element: der heilige Geist. Er war über die Jünger gekommen in Form von Wind und Feuer. Feuerzungen erschienen über ihren Köpfen und sie wurden erfüllt vom heiligen Geist. Dieses Feuer haben sie in die Welt hinausgetragen, der heilige Geist, das Feuer Gottes, hat Schwung in die verzagte Schar gebracht.

 

600 Jahre davor war Jeremia vom Geist Gottes erfaßt. Jeremia muß reden, denn in ihm brennt es wie Feuer. Es ist nicht gerade angenehm, was er da tut. Mit seiner Botschaft erntet er Ablehnung. Doch das Prophetenamt läßt ihm keine andere Wahl. Das Feuer Gottes versengt ihn und treibt ihn zugleich in die Öffentlichkeit. Er redet den Leuten nicht nach dem Mund. Das, was er König, Priestern und Volk sagt, treibt diese in die Zornesglut. Sie stellen Jeremia nach und machen ihm das Leben schwer. Gerne hätte er sein Amt schon hingeschmissen, doch er kann nicht gegen Gottes Auftrag handeln. Er beklagt sich bei Gott: „Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden… Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer“ (Kap.20). Jeremia erlebt also die Wirkung des Wortes Gottes am eigenen Leib.

Gottes Wort ist vielfältig. In gewissen Lebenslagen dient es zum Trost, es richtet auf, es heilt, es stärkt, es erfreut.  Doch es gibt auch Situationen, in denen dient es gar nicht zur Beruhigung. Es ist dann wie ein Feuer, wie ein Hammer; es zerschlägt die Selbst-sicherheit, die Selbstgerechtigkeit, es weist zurecht, es stört, es zerstört. Wenn ein Hammer zum Einsatz kommt, wenn ein Feuer brennt, kommt es auch zu Zerstörungen.

 

Der König von Israel, die Priester, die amtlichen Propheten empfinden das, was Jeremia sagt als Hammerschläge. Israel war zu der Zeit umgeben von den Großmächten Ägypten, Assyrien, Babylonien. Jeremia kündigt die Zerstörung Jerusalems an. Eine unerhörte Botschaft!  Das paßte gar nicht ins Konzept des Königs Zedekia. Mit so etwas sollte das Volk nicht beunruhigt werden.  Zedekia rief seine Berater zusammen – und dazu gehörten auch die amtlichen Propheten. Diese berufen sich auf Träume. Sie haben Visionen, doch letztlich vertreten sie nicht den Willen Gottes. Aus den Hütern der Gottes-Verehrung sind Träumer geworden.  Sie sagen: Nein, solch ein Unheil kommt nicht über unsere Stadt. Jeremia bezeichnet sie als falsche Propheten. Ihre Träume sind private Visionen, sie werden sich als Phantastereien erweisen.

Die Geschichte hat Jeremia Recht gegeben.

 

Es ist bis heute so geblieben, nämlich daß beruhigende Versicherungen der  Zuwendung Gottes sich besser verkaufen als Warnungen und Rufe zur Umkehr. Wer den Leuten nach dem Mund redet, kann mit Zuspruch und Wohlwollen rechnen. Die falschen Propheten verheißen sorgenfreies, gutes Leben. Denken wir an Wahlversprechen. Die Partei, die verspricht, daß alles besser wird, wird gute Chancen haben gewählt zu werden. Diejenige, die sagt: Leute, es kommen schwerere Zeiten auf euch zu, die gräbt sich selbst das Wasser ab.  Es ist schon eigenartig: die Menschen wollen gleichsam belogen werden. Mit beruhigenden Worten im Ohr schläft es sich besser.

 

Doch zur Wahrheit gehören auch unangenehme Sachen. Ein Prophet ist jemand, der im Augenblick der Gefahr reden muß. Nicht nur Jeremia und die anderen Propheten Gottes taten das, sondern auch Johannes und Jesus haben zur Umkehr aufgerufen.

 

Wenn der Aufruf zur Umkehr unterbleibt, wenn Gott nur noch die eigenen religiösen Bedürfnisse befriedigen soll, wenn der Glaube nur der Selbstbestätigung dient, dann wird eintreten, was Gott durch den Propheten in Vers 23 sagt: „Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?“  Die Unverfügbarkeit Gottes  kommt in diesem Satz zum Tragen. Gott bleibt immer auch der Fremde. Wenn ich meine, er ist mir ganz nahe, so erfahre ich plötzlich, daß er ganz ferne ist, unerkennbar, so als wäre er nicht da. Der gläubige Mensch leidet darunter und er sehnt sich nach der heilenden Nähe Gottes. Er wird Gott in seinem Wort suchen, sowohl in Zeiten der Nähe als auch in Zeiten der Ferne.

 

Weisung im Wort Gottes suchen – das ist auch die Aufforderung des Abraham an den reichen Mann im Totenreich (Lesung Lk. 16).  Der hätte gerne, daß Abraham den Lazarus zu seinen Brüdern auf die Erde schickt, damit sie gewarnt werden, um nicht auch an den schrecklichen Ort zu gelangen. Doch Abraham beharrt auf seiner Aussage: Sie haben Mose und die Propheten.

Wer das Wort Gottes nicht ernst nimmt, der wird sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten erscheint. So manch einer unter den Toten würde auch heute gerne seine Angehörigen warnen können. Doch es bleibt dabei: Gott hat in seinem Wort das für uns Nötige und Notwendige gesagt.  Gottes Wort ist ein prophetisches Wort. Petrus schreibt dazu: Um so fester haben wir  das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint in einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.“ (2.Petr 1, 19)

 

Liebe Gemeinde,

-         Das Wort Gottes ist ein Licht, es weist uns den Weg.

-         Das Wort Gottes ist wie ein Feuer, es wärmt uns und es will uns in Brand setzen, daß wir Feuer und Flamme werden für die Sache Gottes. Aber es verbrennt auch das, was Gottes Willen nicht entspricht.

-         Das Wort Gottes ist wie ein Hammer. Es zerschmeißt unsere Selbstsicherheit und Selbstgerechtigkeit. Es zerschmeißt auch die Mauern, die wir zwischen einander aufgebaut haben.

-         Das Wort Gottes zertrümmert auch das Grab und befreit uns zum Leben im Reich Gottes.

Amen.