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B u ß -   u n d    B e t t a g       22.11.2006      Süderhastedt

Predigt:  Pastor Alfred Sinn

Offenbarung 3, 14 – 22

 

14 Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt,  

   der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:

15 Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt

   oder warm wärest!

16 Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien

   aus meinem Munde.

17 Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weißt nicht,

   daß du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.

18 Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du

    reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner

    Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben,

   damit du sehen mögest.

19 Welche ich liebhabe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und

   tue Buße!

20 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören

   wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit

   ihm halten nd er mit mir.

21 Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie 

   auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen

   Thron.

22 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

 

Liebe Gemeinde,

 

am letzten Sonntag fußte die Predigt auf dem Sendschreiben an die Gemeinde in Smyrna. Ihr wurde vom Herrn Lob zuteil, denn sie hat sich nicht der Welt gleich gestellt. Sie war bedrängt und arm. Doch der Herr bescheinigte ihr einen Reichtum, der nicht in Geld aufzuwiegen ist. Harre aus, sei getreu, ich will dir die Krone des Lebens geben.

Hier nun wird uns die Gemeinde in Laodizea vorgestellt. Sie schneidet nicht gut ab. Sie hat sich ihrer Umwelt angepaßt. Von Armut keine Spur, im Gegenteil, sie brüstet sich ihres Reichtums: Ich bin reich, habe genug und brauche nichts. Das klingt so, wie: mir kann keiner was. Doch der Herr urteilt anders: du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß.

 

Seht ihr, so unterschiedlich können Gemeinden sein! Die eine hat einen ausgeglichenen Haushalt, die andere muß den Sparstift ansetzen; die eine verkündet das Evangelium Gottes, die andere richtet sich nach Menschenmeinung. Smyrna und Laodicea lagen etwa 100 km voneinander entfernt. Auch heute gibt es Smyrna-Gemeinden und Laodicea-Gemeinden.

 

 

Laodicea wird zur Buße gerufen.  Damit wirbt der Herr um die Rückkehr der Gemeinde zur wahren Quelle. Er tut das im Stile und der Sprache eines orientalischen Händlers.

Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufst und weiße Kleider und Augensalbe“. Man stelle sich einen Basar vor. Da wird gefeilscht und gehandelt. Einer der Anbieter sagt: Ich rate dir von mir zu kaufen, nicht von dem anderen. Meine Ware ist spitze. Ich empfehle dir mein Produkt. Etwas besseres kannst du auf dem ganzen Markt nicht finden.

 

Gold, Kleider und Augensalbe sind eine Anspielung auf das, wofür Laodicea bekannt war, nämlich das Bankenwesen, das Textilhandwerk und die ärztliche Heilkunst. Sie haben dem Ort Wohlstand beschert. Vor allem die Heilquellen oberhalb der Stadt lockten viele Menschen an. Der Kurbetrieb lief wie geschmiert. Das Wasser der heißen Quellen wurde in einem Teich gesammelt. Hier tummelten sich die Menschen mit ihren Gebrechen. Was an Wasser weiter unten ankam war lauwarm, hatte keine Heilwirkung mehr, zum Trinken war es auch nicht geeignet. Also zu nichts mehr zu gebrauchen.

Wenn man bedenkt, daß die drei Wirtschaftszweige auch eine religiöse Note hatten, wird einem die Brisanz dieser Bibelworte noch deutlicher. Doch ist das heute anders? Geldangelegenheiten, Kleidung und Gesundheit sind auch in unserer Zeit nicht wertneutral. Wenn man tiefer in die Analyse geht, wird man auch heute die religiöse Komponente erkennen.

 

In unserer Zeit und Gesellschaft gibt es auch Menschen, die sagen: Ich brauche nichts, ich bin reich und habe genug; das Bankkonto ist gefüllt, die Kleider hängen im Schrank und für meine Gesundheit tue ich etwas. Andere Dimensionen, andere Welten? Nein, für mich zählt das Hier und Jetzt. Religion und Gott brauche ich nicht. Mir kann keiner was. In der Tat: Irdischer Reichtum schafft materielle Bedürfnislosigkeit – doch sind damit alle Bedürfnisse abgedeckt? Macht nicht Reichtum auch schläfrig? Und daß man mit Geld keine Freundschaft und Liebe kaufen kann, ist eine Binsenweisheit. Es ist nicht verkehrt, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, daß alles, wonach wir haschen, vergehen wird.

 

Die Christen in Laodicea waren nicht zu unterscheiden von den anderen. Sind wir es? Das geistliche Leben der Gemeinde wird mit lauwarmem Wasser verglichen. Ach, daß du doch kalt oder warm wärest! Aber nun bist du lau und ich werde dich ausspeien aus meinem Munde.

 

Nun, nun der Glaube an Christus war schon immer etwas anderes als der Glaube der Welt. Die Normen der Gesellschaft können nicht die Normen der Gemeinde sein, erst recht dann nicht, wenn die Gesellschaft nicht nach Gott fragt. Wir beklagen allent-halben den Werteverlust. Dieser Verlust hat in einem nicht geringen Teil zu tun mit dem Abfall von Gott. Wenn Werte in der Gesellschaft brüchig geworden sind, brauchen sie das keineswegs auch für die Christen zu sein. Nur weil die Welt sie für überholt hält, sind sie noch längst nicht ungültig.

 

Kauft bei mir! ruft der Herr. Ich mache euch reich. Ich gebe euch weiße Kleider, die eure Schande bedecken, bei mir bekommt ihr Salbe, die eure Augen sehend machen. Tut Buße! Damit ruft er zu einem Gesinnungswandel auf.

 

Liebe Gemeinde, Entscheidung ist angesagt. Manche tun sich schwer damit, weil sie Angst haben, Fehler zu machen. Doch auch wer keine Entscheidung trifft, macht Fehler. Auch wer keine Entscheidung trifft, kann das Leben verfehlen.

 

Mit Christus geht es um Heil oder Unheil, um Leben oder Tod. Ein falsches Paktieren und Herumeiern kann einen Kopf und Kragen kosten. Entscheidung bedeutet Bekenntnistreue. Bekenntnis heißt Nachfolge, Nachfolge heißt Bekenntnis. Das aber geschieht auch in der Absage an Richtungen, die nicht mit dem Wort Gottes übereinstimmen. Freilich, dadurch macht man sich unbequem angesichts gesellschaftlicher Zwänge. Christen stören, wenn sie aus dem Rahmen gesellschaftlicher Normen fallen. Bekenntnistreue zum Herrn kann auch den Tod nach sich ziehen. Doch der Herr verheißt einen Reichtum, den diese Welt nicht geben kann.

Entscheiden heißt auch unterscheiden. Christen müssen zu unterscheiden sein von solchen, die keine christliche Hoffnung haben. Klare Grenzen müssen erkennbar sein. Sie sind eine Hilfe, genau wie in der Erziehung. Dieses Thema kommt in diesen Versen auch vor. Der Herr spricht: „Welche ich liebhabe, die weise ich zurecht und züchtige ich“ (V.19).

 

Kauft bei mir!, sagt der Herr. Doch können wir auch bezahlen? Ja, das können wir. Unser Zahlungsmittel wäre das Bekenntnis, die Leidenschaft für die Sache Gottes. Sind wir als Gemeinde dazu fähig, oder sind wir zu sehr angepaßt?

Der Theologe Fulberth Steffensky schreibt in seinem Buch „Das Haus, das die Träume verwaltet“: "Kann es sein, dass wir in unseren eigenen Kirchen mitarbeiten an der Aushöhlung und Banalisierung der lebensrettenden Träume? Wir sollen mehr sein als nur eine Stimme im großen Gelächter der Gegenwart. Wir sind verantwortlich für Vision und Gewissen. Es sind genug andere da, die die Leute unterhalten."

 

Liebe Gemeinde, der Bußtag ist auch dazu da, um zu erinnern, daß es ein "zu spät" geben kann. Wir haben vor Gott keine Ansprüche zu erheben. Denn wir sind alle allzumal Sünder, die des Ruhmes ermangeln, den wir vor Gott haben sollten (Röm 3,23).

Buße bedeutet, sich der Richtung und des Zieles wieder vergewissern und gegebenenfalls Gesinnungsänderung.  Buße bedeutet: Ich vertraue in allem auf Jesus Christus. Denn er hat die abgerissene Verbindung zu Gott wiederhergestellt. Wie könnte ich da noch lau bleiben?

 

Und es bedeutet auch die Erinnerung daran, daß ich das weiße Kleid schon mal anhatte. Es steht für die Taufe. Mit dem anderen Sakrament, dem Heiligen Abendmahl, verankere ich mein Sein in dem Angebot des Herrn. Sakrament ist Verpflichtung Gott gegenüber.

 

„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.“

 

Wer sein Leben vor Gott bringt und erkennt, wie dort alles radikal vergeht, alles, was mir wichtig gewesen ist, ja sogar mein eigenes Leben, der wird froh und dankbar die Tür öffnen für Jesus Christus, der dem Leben Bestand gibt.

Amen.